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Richtige Entscheidung, aber unterschiedliche Zahlen


Laut krone.at gibt es um die Kanarischen Inseln keine Massenstrandungen von Delfinen und Walen mehr, seit dort vor neun Jahren ein Verbot für den Sonar-Einsatz zum Aufspüren feindlicher U-Boote verhängt wurde.

Susanne Gugeler

Grindwal in den Gewässern vor Teneriffa (Foto: Susanne Gugeler)

Antonio Fernandez – Leiter des Instituts für Tiergesundheit der Universität Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) – verbindet mit diesem Erfolg eine Vorreiter-Funktion der Kanaren, was den Schutz der Meeressäuger angeht.

Gefahr: militärische See-Übungen

Noch vor dem Verbot waren 2002 14 Tiere auf Lanzarote und 2004 vier Tiere auf Fuerteventura gestrandet. Fernandez hatte damals zusammen mit einer Forschergruppe herausgefunden, dass nördlich der Kanaren Seekriegsmanöver stattgefunden hatten. Bei diesen wurden mit Sonargeräten Explosionen im mittleren Frequenzbereich erzeugt. Diese Manöver dienen normalerweise zur Aufspürung von feindlichen U-Booten.

„Wale reagieren sehr sensibel auf die Sonargeräte. Heute weiß man, dass die Tiere in Panik geraten und ihr Tauchverhalten dadurch gestört wird“, berichtet Fernandez. Er vergleicht die beobachteten Verletzungen der toten Wale mit der Dekompressionskrankheit bei Tauchern, die zu schnell auftauchen.

Nicht nur die Lautstärke spielt eine Rolle, wenn Meeressäuger aus ihrem Konzept gebracht werden. Für die US-Forscherin Darlene Ketten von der Harvard Medical School besteht die eigentliche Gefahr für die Tiere aus einer Kombination aus Lautstärke, Frequenz und Dauer des Signals sowie die Form der Schallwelle.
(Quelle: Seit Sonar-Verbot stranden Wale nicht mehr in Massen)

Gab es 2006 doch noch Massenstrandungen?

Wenn man im Internet recherchiert, dann stößt man auf einen Bericht der Deutschen Umwelthilfe, in dem steht, dass 2006 „eine ungewöhnliche Häufung von Walstrandungen auf den Kanarischen Inseln zum Tod von mindestens fünf Tieren geführt“ hätte. „Tatsächlich kreuzten zur Zeit der Strandungen Kriegsschiffe in kanarischen Gewässern. Von offizieller Seite gab es dazu keine Stellungnahme.“

Weiteres Zitat aus dem Bericht der Deutschen Umwelthilfe: „Am vergangenen Dienstag (Anmerkung Meeresakrobaten: Gemeint ist der 28. März 2006) strandeten zwei seltene Gervais-Zweizahnwale (Mesoplodon europaeus) noch lebend auf El Hierro und am Freitag wurde vor La Gomera ein Zwergpottwal (Kogia breviceps) tot auf dem Meer treibend gefunden, kurze Zeit später strandeten ein Pottwal (Physeter macrocephalus) sowie ein Rundkopfdelfin (Grampus grieseus) bei Fuerteventura.“

Im Bericht der krone.at wird behauptet, die letzte Massenstrandung auf den Kanaren hätte im Jahr 2004 stattgefunden. Dies widerspricht der Meldung von 2006 (Deutsche Umwelthilfe).

Da ich jedoch nach 2006 keine Einträge von Massenstrandungen um die Kanarischen Inseln mehr gefunden habe, denke ich, dass man trotzdem von einem Erfolg für die Wale sprechen kann. Zwar von keinem neunjährigen, so aber doch von einem siebenjährigen.

Lesetipps

* Auf der Insel der Glückseligen
* Warum stranden Wale?

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