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Schwimmer stören Delfine


Reiter, die sich gerne auf dem Rücken ihres Pferdes fortbewegen, haben keine Ahnung, ob das Huftier den Ausflug mit Sattel, Zaumzeug und Gewicht ebenso sehr genießt wie sie.

Spinnerdelfin/Midway/Hawaii (Foto: Brigitte Fugger)

Ähnlich sieht es mit Kaninchen und Meerschweinchen aus. Verharren sie ruhig, während man sie streichelt, interpretieren wir dieses Reaktion als Akzeptanz oder sogar Genussverhalten.

Kaninchen und Meerschweinchen sind von Natur aus aber sehr scheu und möchten am liebsten in Ruhe gelassen werden. Pferde galoppieren bestimmt lieber mit ihren Artgenossen ohne störende „Ausrüstung“ über die Koppel.

Entspannt oder im Schlafmodus?

Und Delfine? In Ägypten, Neuseeland und anderswo ist das Schwimmen mit den charismatischen Tieren äußerst beliebt.

„Beweisaufnahmen“ zeigen den Betrachtern zu Hause dann, wie „entspannt“ die Meeressäuger sind. Doch in Wirklichkeit wurden sie im Ruhemodus erwischt. Nachts gehen sie auf Jagd und tagsüber dümpeln sie in Küstennähe oder Lagunen, um sich zu erholen und neue Energie zu sammeln für den nächsten Beutezug.

Oft werden die Delfine von Booten und schnorchelnden Touristen aufgeschreckt und vollführen dann gelegentlich auch die beliebten Sprünge. Doch eigentlich müssten sie mit ihrer Energie haushalten, damit sie nachts wieder erfolgreich auf Jagd gehen können. Die Gesundheit der Tiere kann erheblich beeinträchtigt werden, wenn man sie nicht in Ruhe lässt.

In manchen Gebieten schutzlos

Die Biologin Maddalena Fumagalli führte verschiedene Studien zum Verhalten von Spinnerdelfinen im Roten Meer durch. Dabei gab es eklatante Unterschiede zwischen Samadai and Satayah. Der Kontakt mit Delfinen in Samadai ist von der Behörde reguliert. So ist es dort beispielsweise nur erlaubt zwischen 8 und 15 Uhr mit ihnen zu schwimmen. In Satayah dagegen gibt es keine Begrenzungen. Ab morgens um 9 Uhr strömen die Boote mit den Touristen in das Delfingebiet.

Wenn die Delfine ruhen, schwimmen sie in kleinen Gruppen langsam und dicht beieinander und bewegen sich gleichzeitig zum Atmen an die Wasseroberfläche. Sie geben kaum Laute von sich und zeigen auch keine Akrobatik. Das ändert sich schlagartig, wenn Touristen auftauchen. Werden Delfine während ihrer Ruhephase gestört, springen sie manchmal aus dem Wasser. Auch das Geräusch der Motorboote stört die Delfine beim Ausruhen.

Drohgesten richtig interpretieren

Manche männliche Delfine bedrohen die Schnorchler. Man sollte die Zeichen deuten können: Wenn ein Tier direkt auf einen zu schwimmt und sein Körper eine S-Form einnimmt, droht es.

Fumagalli fordert von den Behörden, dass die Annäherung an Delfine im Roten Meer überall – und nicht nur in Samadai – reguliert werden muss. Außerdem ist es dringend notwendig, dass die Touristen über die Gepflogenheiten der Delfine informiert werden.

Wenn die Forscherin mit den Touristen spricht und sie darauf hinweist, dass die Delfine gerade am Ruhen sind, stößt sie oft auf Erstaunen. Die Menschen sind über die Gewohnheiten der Tiere nicht informiert worden. Manche bereuen, ins Wasser gegangen zu sein.
(Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de und sciencemag.org)

Interpretationssache

Wir sehen: Welchen Umgang der Mensch als gut oder schlecht für das Wohlergehen der Tiere einstuft, hängt ganz allein von seiner Interpretation ab.

Überspitzt formuliert, lautet das Urteil dann, Delfinen in Zoos würde es automatisch schlecht gehen, weil sie in menschlicher Ohbut gehalten werden. Bewiesen ist diese Behauptung keinesfalls. Genauso wenig wie die Einschätzung, dass Delfine, mit denen Touristen im Meer schwimmen, die Begegnung mit Menschen automatisch genießen und/oder sich davon nicht stören lassen.

Ein Kommentar

  1. „Pferde galoppieren bestimmt lieber mit ihren Artgenossen ohne störende „Ausrüstung“ über die Koppel.“

    Dieses Argument kommt mir irgendwie bekannt vor. Letztendlich können wir das bei Pferden genauso wenig wissen, wie bei Delphinen. Deshalb sollten wir nicht auf die gleichen rhetorischen Mittel zurückgreifen, wenn wir sie bei anderen kritisieren – ungeachtet dessen, dass beim reitsportlichen Umgang mit Pferden einiges besser gemacht werden könnte.

    Was das Schwimmen mit Delphinen in der Wildbahn betrifft, frage ich mich, ob hier nicht eine Folge des jahrzehntelang gepflegten Flipper-Images vorliegt. Wenn Delphine in Shows als semi-domestizierter Bester Freund des Menschen im Meer präsentiert werden, quasi ein Unter-Wassser-Hund, wenn immer noch falsches oder Halbwissen über das natürliche Sozialverhalten und die Lebensweise anhaften (friedfertig, feste Familienverbände), das die Tiere schon fast zu „besseren Menschen“, hochstilisiert, wundert mich das nicht. Dem entgegen zu wirken, sehe ich eigentlich in der Verantwortung derjenigen, die Delphine dem Publikum präsentieren, und ich bin mir nicht sicher, ob dem überall so verantwortungsvoll nachgekommen wird, wie hierzulande.

    geschrieben von Dani

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