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Lebererkrankung bei Delfinen


Mysteriöse Strandungen von Delfinen und Walen könnten durch eine bisher unbekannte Todesursache erklärt werden.

Rüdiger Hengl

Streifendelfin im Ligurischen Meer (Foto: Rüdiger Hengl)

Gasgefüllte Zysten in der Leber

Eine chronisch fortschreitende Lebergefäßerkrankung im Zusammenspiel mit beim Tauchen entstandenen Gasbläschen könnte die Ursache für manche Strandungen sein.

Der Veterinärpathologe Antonio Fernandez und seine Kollegen von der Universität von Las Palmas de Gran Canaria in Spanien untersuchten in einem Zeitraum von 20 Jahren Kadaver von rund 1.200 Meeressäugern, die an den Küsten der Kanarischen Inseln, einem Archipel vor Nordwestafrika, angespült worden waren.

Dabei wurden vier tote Streifendelfine mit gasgefüllten Zysten in der Leber gefunden.

Ähnlichkeit mit Lebererkrankung bei Menschen

Die Leberanomalien bei den vier untersuchten Streifendelfinen ähnelten denen, die bei Menschen mit Budd-Chiari-Syndrom vorkommen. Dabei handelt es sich um eine seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung, die entsteht, wenn Blutgerinnsel den Blutfluss aus der Leber behindern.

Taucherleben begünstigt Lebererkrankung

Fernandez vermutet, dass das ständige Auf- und Abtauchen der Delfine zur Krankheit beiträgt, indem durch dieses Verhalten Gasblasen wie bei der Dekompressionskrankheit erzeugt werden. Diese kommt auch bei Menschen vor, die zu schnell auftauchen. Die Blasen werden dabei in den Blutgefäßen eingeschlossen und bilden Zysten.

Unterschiede zur Dekompressionskrankheit

Die neu beschriebene Lebererkrankung unterscheidet sich jedoch von bekannten Dekompressionskrankheiten, die beispielsweise bei zu schnell auftauchenden Schnabeldelfinen beobachtet werden. Dies passiert unter anderem, wenn die Tiere durch Unterwassergeräusche erschreckt werden und schnell an die Wasseroberfläche schwimmen. Bei ihnen findet man Gas in allen Geweben.

Eine Gasansammlung in allen Geweben konnten die Forscher bei den vier an der Leber erkrankten Streifendelfinen nicht entdecken. Auch hatten die vier Delfine keine räumliche oder zeitliche Verbindung zu Marineübungen.

Lebererkrankung auch bei anderen Waltieren

Fernandez geht davon aus, dass ihre Strandung nicht mit militärischen Sonaraktivitäten zusammenhängt. Er ist überzeugt, dass die Delfine eines natürlichen Todes gestorben sind.

Obwohl in der Studie von Antonio Fernandez ausschließlich Streifendelfine die Lebergefäßerkrankung aufwiesen, hatten Forscher in der Vergangenheit ähnliche Arten von Leberläsionen bei Schweinswalen, Gemeinen Delfinen, Rundkopfdelfinen und mindestens einem Schnabelwal beschrieben.
(Quelle: Scientific American)

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