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Vor Italien lebt das zweitgrößte Tier der Erde


Der maximal 27 Meter lang werdende Finnwal kommt in allen Ozeanen der Welt vor, mit Ausnahme der polaren Gewässer. Er ist nicht nur das zweitgrößte Lebewesen (der Blauwal ist noch etwas größer), sondern auch ein sehr schneller Wal. Deshalb wird er oft „Windhund des Meeres“ bezeichnet.

Finnwale (Foto: Rüdiger Hengl)

Die Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) schreibt dazu: „In den Anfängen des Walfangs schützte ihn fast immer seine Schnelligkeit vor den Jägern, was sich jedoch mit der Entwicklung von schnelleren Booten schlagartig änderte. Mit diesen war auch der Finnwal vor den Harpunen der Walfänger nicht mehr sicher und die Populationen wurden stark dezimiert. Während sie einst zu den zahlreichsten unter den großen Walarten zählten, sind Finnwale heute auf der Roten Liste gefährdeter Arten nach wie vor als stark gefährdet gelistet. In den Jahren 1935 bis 1965 wurden jährlich bis zu 30.000 Finnwale getötet; allein auf der südlichen Hemisphäre wurden im 20. Jahrhundert über 723.000 Finnwale getötet.“

Finnwale im Mittelmeer

Die WDCS berichtet weiter: „Der Finnwal ist die einzige Bartenwalart, die regelmäßig im Mittelmeer gesichtet wird. Schätzungen aus dem Jahr 1991 beziffern die Zahl der Finnwale, die in dieser Region von den Walfängern verschont wurden, mit ca. 3.500 Tieren. Diese kleine und ökologisch isolierte Population ist zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Chemische Verschmutzung, Lärmbelastung, Fischerei sowie die Zerstörung und der Verlust des Lebensraumes sind die Hauptprobleme für die Tiere im Mittelmeer.

Schiffskollisionen

Zusätzlich ist der Finnwal die Walart, die weltweit am häufigsten von Kollisionen mit Schiffen betroffen ist. Auch im Mittelmeer gibt die Situation Anlass zur Sorge. Von 287 dokumentierten toten Finnwalen wurden 46 (16 %) nachweislich durch einen Zusammenstoß mit einem Boot getötet. Diese Zahl erhöht sich auf 20 %, wenn man die Finnwale hinzunimmt, die wahrscheinlich von Booten getötet wurden bzw. jene toten Großwale hinzuzählt, bei denen sich die Art nicht mehr genau feststellen lässt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Wale und Delfine in Schiffskollisionen verwickelt sind, für eine Bartenwalart sind diese Zahlen jedoch ungewöhnlich hoch.“ (Quelle: WDCS)

Es ist schwer einzuschätzen, welche Auswirkungen die tödlichen Kollisionen von Finnwalen im Mittelmeer auf die Gesamtpopulation haben. Die Todesrate ist sowohl im gesamten Mittelmeer als auch im Ligurischen Schutzgebiet, das sich zwischen Ligurien/Italien, Korsika und der Provence erstreckt, beträchtlich höher als bei sämtlichen Wal- und Delfinarten in allen anderen Regionen auf der Welt. Die traurige Ausnahme bildet der Atlantische Nordkaper. Allein das Walschutzgebiet im Ligurischen Meer wird jährlich von 2.000 Fähren, 1.500 Frachtschiffen sowie 300 Tankern befahren.

Walschutz von der Luft aus

Experten aus Italien und Frankreich wollen mit einem neuartigen System die Wale im Mittelmeer retten.
So soll u.a. ein Flugzeug künftig in 18 km Höhe das Walschutzgebiet vor der Küste Liguriens überwachen. Mit seinem Einsatz soll genau bestimmt werden, wo sich Wale und Delfine befinden und welche Routen sie einschlagen. Die Informationen sollen dann sowohl an die Küstenwacht als auch an die Reedereien weitergegeben werden, um Kollisionen zu vermeiden. Doch ob dieses mit Sonnenenergie betriebene Flugzeug tatsächlich gebaut werden kann, hängt u.a. von einer Finanzierungsbeteiligung der Europäischen Union ab. Es wird voraussichtlich 1,5 Millionen Euro kosten.

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