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Selbstmord bei Delfinen – ein Mythos?


Seit der ehemalige Delfin-Trainer Ric O’Barry in seinem Buch „Behind the Dolphin Smile“ den Tod eines seiner Delfine als Selbstmord interpretierte, geht der Mythos um, Delfine würden in menschlicher Obhut Selbstmord begehen. Sie würden in einem Delfinarium einfach das Atmen einstellen. Doch für diese Annahme gibt es bis jetzt keine Beweise.

Blasloch eines Delfins (Foto: Rüdiger Hengl)

Strandende Delfine stellen Atmung nicht ein

Da Delfine bewusste Atmer sind, sie holen nicht wie andere Säugetiere reflexartig Luft, können sie theoretisch auch das Atmen einstellen, wenn sie wollen. Doch dass sie das aus Suizidgründen tun, glaube ich nicht. Schaut man sich die Delfine an, die an den Küsten stranden und anschließend an Land Höllenqualen erleiden, müsste es ihnen doch möglich sein, diesen Qualen ein schnelles Ende zu bereiten, indem sie einfach das Atmen einstellen – und wenn sie in Freitod-Absicht stranden, könnten sie bereits im Meer das Atmen einstellen. Doch immer wieder kommt es vor, dass diese Tiere sogar mehrfach stranden, also offenbar keinen Lebenswillen mehr haben. Trotzdem atmen sie weiter.

Auf Überleben gepolt

So „einfach“ funktioniert die Natur eben nicht. Jedes Geschöpf ist erst einmal auf Überleben gepolt, sonst wären bestimmt schon viele Arten ausgestorben. Beim Menschen sieht es anders aus. Er lebt vielleicht als einzige Spezies bewusst, das heißt, er macht sich Gedanken über seine Geburt und den Tod, sinniert über die Vergangenheit, plant für die Zukunft, denkt über den Lebenssinn nach. Tiere leben im Hier und Jetzt. Sie „funktionieren“ mehr oder weniger.

Automatisierte Verhaltensweisen

Ich gehe nicht davon aus, dass Delfine über ihren nächsten Atemzug nachdenken, bevor sie an die Wasseroberfläche kommen. Vielleicht läuft das Luftholen ähnlich ab wie bei uns das Schwimmen oder Autofahren. Wir haben bestimmte Tätigkeiten einmal bewusst gelernt, müssen aber nicht mehr jedes Mal über den nächsten Schwimmzug oder das In-den-nächsten-Gang-Schalten nachdenken, bevor wir handeln. Diese Verhaltensweisen laufen automatisch ab, sie haben sich irgendwann einmal verselbstständigt. Sie laufen quasi unbewusst ab, obwohl sie wiederum nicht vom vegetativen Nervensystem gelenkt werden, wie unsere Atmung, unsere Verdauung usw.

Keine Reaktion auf schlechte Haltungsbedingungen

Dass schlecht gehaltene Delfine die Nahrung verweigern und krank werden wie andere Tiere, die ihr Dasein in einer elendigen Umgebung fristen müssen, ist nicht zu bestreiten. Dass sie schließlich an der Krankheit (die auch psychischer Art sein kann) sterben, kann ich mir auch vorstellen. Aber das bewusste Einstellen der Atmung gehört wohl nicht zur Reaktion auf schlechte Haltungsbedingungen.

(Quellen: „Cetacean Facts and Fallacies“ von Michael T. Walsh und Marine Animal Welfare)

Lesetipp

Die Atmungsorgane der Delfine

12 Kommentare

  1. http://marineanimalwelfare.com/suicide.htm

    „Do dolphin commit suicide in captivity? ?

    One of the perpetuating myths that surround dolphins in captive care is the accusation that animals have committed suicide. A review of the published evidence reveals various possible sources for this myth.“

    geschrieben von George
  2. Jane, ist dir ein Fall in Deutschland bekannt, in dem ein Delfin aus Selbstmordabsicht gegen das Becken sprang? Mir nicht. Ist es sicher, dass das Tier, das in Tokio aus dem Becken sprang, dies aus Selbstmordabsicht tat oder war es ein Unfall? 

    Für mich zeugt es von tiefer Depression, wenn ein Tier beispielsweise die Nahrung verweigert, ansonsten aber organisch gesund ist. Früher oder später kann es dann krank werden und an dieser Krankheit sterben. Bei Hunden liest man immer wieder solche Fälle. Wenn das Herrchen oder Frauchen gestorben ist oder wenn es eine Trennung anderer Art gab, hören die Hunde einfach auf zu fressen, werden krank und sterben im schlimmsten Fall. Doch das hat nichts mit dem bewussten Einstellen der Atmung zu tun. Und das ist ja das Thema.

    Dass Delfine depressiv werden können, glaube ich auch. Als Ric O'Barry nach Beendigung der Filmaufnahmen eine seiner Flipper-Darstellerinnen verließ und das Delfin-Weibchen auch nicht mehr trainiert wurde, starb es in den Armen ihres ehemaligen Trainers, als dieser ins Aquarium gerufen wurde. Meine Interpretation: Das Tier war tot-traurig, weil es seinen Trainer verloren hatte und sich auch sonst kein Mensch mehr um es kümmerte.

    Dass du Zoos ablehnst, kann ich verstehen und ich akzeptiere diese Haltung selbstverständlich. Ich denke auch, dass du gegen die Tierhaltung in Privathaushalten bist – die meiner Meinung nach in leider allzu vielen Fällen völlig daneben läuft und nicht zum Wohle der Tiere ist.

    geschrieben von Susanne
    1. Und noch ein kleiner Nachtrag. Dein Aspekt der Nichtexistenz von bewusstem Selbstmord bei Walen, widerspricht deiner Aussage, dass sie sich absichtlich stranden lassen, um so zu sterben..

      geschrieben von JaneSmith
      1. Noch einmal: es geht um das b e w u s s t e Einstellen der Atmung, um zu sterben. Und daran glaube ich nicht. Ob gestrandete Grindwale und andere Delfine (ja, Grindwale gehören auch zu den Delfinen) eventuell keinen Lebenswillen haben, weiß ich nicht. Aber es gibt viele Fälle, in denen man keine Krankheit und auch keine Verletzung bei den gestrandeten Tieren fand (so auch bei den aktuellen Strandungen in Cape Cod). Trotzdem kamen die Meeressäuger immer wieder an Land zurück.

        geschrieben von Susanne
        1. Besser gesagt, Delfine gehören zu den Walen.. :) *klugsch..ß* :)

          geschrieben von JaneSmith
    2. Nein, ich kenne keinen Fall in Deutschland. Ich denke, es ist wie bei Menschen, nicht jeder ist mental stark genug. Vielleicht hab ich ein wenig zu weit ausgeholt und bin etwas am Thema vorbei. Daher nochmal zu dem Suizid, ich glaube einfach, dass einige Delfine das bewusst tun, 1. weil sie es können und 2. weil sie extrem sozial sind. Wissen tu ich das natürlich nicht, aber meiner Ansicht nach spricht alles, was ich bisher gelesen und gesehen habe dafür. Hier das Video aus Japan: https://www.youtube.com/watch?v=PgsLkObwJUE
      Und ja, du hast recht, ich lehne auch Haustierhaltung ab, da ich mich persönlich nicht fähig sehe, Tieren eine artgerechte Haltung zu ermöglichen, so gern ich auch einen kleinen Begleiter hätte. :) Falls du dich darüber hinaus Für Delfine und Wale interessierst, habe ich hier http://www.schwarz-weisse-giganten.de/orca_gefang… sehr interessante Seite (hab die ganze Nacht gelesen :) ), in der über Delfinarien berichtet wird, zwar geht es um Schwertwale, die Verhaltensweisen sind aber sehr ähnlich und die Umstände genauso furchtbar.

      geschrieben von JaneSmith
      1. Die von dir genannte Website habe ich mir bereits vor längerer Zeit angesehen. Ich finde sie auch recht interessant. Du schreibst "
        Falls du dich darüber hinaus Für Delfine und Wale interessierst "Dass ich mich für Delfine (und Wale) interessiere, habe ich nun bereits seit fast 11 Jahren bewiesen ;o)) So lange existiert meine Website schon. Mein Bestreben ist es, das Thema von allen Seiten zu beleuchten. Dazu gehören auch unbequeme Beiträge.

        geschrieben von Susanne
        1. Ja, sorry, war ein wenig unglücklich formuliert, wusste auch nicht mehr, dass ich das so geschrieben habe, ist wohl im Eifer des Gefechts so passiert. Wollte damit auch nur ausdrücken, dass du vielleicht an der Seite interessiert bist, aber gut, dann kennst die ja schon. Mir ist natürlich klar, dass du dich dafür interessierst.. :) 

          Mal ne andere Frage, ich mach selber ein wenig html, hast du die Seite selbst gemacht?

          geschrieben von JaneSmith
  3. Manche Delfine, die mehrfach hintereinander stranden, scheinen ihren Lebenswillen verloren zu haben. 

    Ich kenne keinen einzigen Fall in Deutschland, wo ein Delfin die Atmung bewusst eingestellt hat. Du?

    geschrieben von Susanne
    1. Wozu sollten Delphine mit einer Suizid-Absicht stranden, wenn sie auch einfach nur aufhören können zu atmen? Es gibt Fälle von Delphinen, die gegen die Delphinarienwände schwimmen, um zu sterben. Ich hab ein Video aus Tokyo gesehen, in welchem ein Delphin während einer Show aus den Delphinarium sprang. Das zeugt alles von tiefen Depressionen. Wie gesagt, Delphine haben enorme soziale Fähigkeiten, was sehr leicht nachzuvollziehen ist, wenn man sie sich sowohl in freier Wildbahn, als auch in Gefangenschaft ansieht. Und mal angenommen du hättest recht und Delphine wären nicht in der Lage, bewusst Suizid zu begehen, dann würde das auch bedeuten, das kein Tier in der Lage wäre, psychisch zu erkranken (Depressionen>>Nahrungsverweigerung). Selbst wenn das so sein sollte, sind Zustände in Delphinarien unzumutbar.  Allerdings redest du hier auch mit jemandem, der Zoos, etc. absolut ablehnt.

      geschrieben von JaneSmith
  4. Zunächst mal macht dein Ansatz zwar Sinn, allerdings finde ich, dass das eine sehr einseitige Sichtweise darstellt. Warum sollte ein Delphin bei Strandung seinen Atem einstellen? Er hat seinen Lebenswillen dadurch ja nicht verloren, er war lediglich einem Unfall ausgesetzt und er versucht alles, um wieder ins Wasser zu gelangen. In Delfinarien jedoch kann ich mir vorstellen, dass die Hoffnung auf ein freies Leben dahin ist. Denke, das ist n schleichender Prozess. Menschen nehmen sich ja auch nicht gleich das Leben, wenn irgendwas passiert ist, da muss man schon wenigstens ne kurze depressive Phase durchleben. Auch andere Tiere können Depressiv werden und beispielsweise aufhören zu essen. Daher ist es auch vorstellbar, dass aufgrund der sozialen Intelligenz von Delfinen das Einstellen der Atmung (gerade, weil sie dazu in der Lage sind) möglich ist..

    geschrieben von JaneSmith
  5. Ein interessanter Artikel über dessen Inhalt es
    sich mal lohnt nachzudenken. Leider sind viele "Delfinschützer" aber nur
    Nachplappler und Gefällt-mir-Klicker. Auf diese Weise werden Unwahrheiten
    millionenfach in die Welt transportiert und dort manifestiert. Wie lange musste
    wir glauben, dass Spinat so unwahrscheinlich eisenhaltig sei. Ich hab mich
    deshalb schon als Kind schon gewundert, warum ich, nachdem ich Spinat gegessen
    hatte, nicht magnetisch bin (zumindest magnetischer als vorher). Immerhin ist Eisen
    ja unterhalb der Curie-Temperatur magnetisch.

    geschrieben von Ruediger

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