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US-Marine will Meeressäuger schützen


Die US-Marine versichert, noch nie so viel für den Schutz der Meeressäuger getan zu haben wie in den letzten Jahren. Doch sie kündigt auch an, dass die militärischen Übungen sich in den nächsten Jahren verdreifachen würden.

Streifendelfine im Ligurischen Meer (Foto: Rüdiger Hengl)

Verdreifachung des Sonar-Einsatzes

„In den nächsten fünf Jahren werden wir uns verstärkt auf das Aufsuchen von feindlichen U-Booten und Unterwasser-Minen konzentrieren“, sagt Jene Nissen, der als Manager im Atlantischen Ausbildungs- und Test-Programm arbeitet. Das bedeute eine Verdreifachung des Sonar-Einsatzes. Über die Einzelheiten soll die Bevölkerung in nächster Zeit in verschiedenen südlichen küstennahen US-Staaten informiert werden.

Wie Wale, Delfine und Seelöwen geschützt werden sollen

Die Marine verwendet ein neues Computer-Programm, das die Wahrscheinlichkeit voraussagt, ob sich in der Nähe der Übungen Wale, Delfine oder Seelöwen aufhalten können.

Aus der Vergangenheit wissen wir, dass Sonar-Signale, wie sie das Militär einsetzt, unterschiedliche Auswirkungen auf Meeressäuger haben. Diese reichen von minimalen Verhaltensänderungen bis hin zur Unterbrechung der Futtersuche oder im schlimmsten Fall verursachen sie Schädigungen im Gehör der Tiere.

Das neue Computer-Programm simuliert, wie sich der Schall im Wasser ausbreitet und was er bei den betroffenen Tieren anrichten kann. 15 bis 20 Millionen US-Dollar werden offenbar jährlich für die Erforschung der Meeressäuger ausgegeben.

Fortschritte und Forderungen

Charles Mayo ist erfreut über die wachsende Sensibilisierung der Navy, was Wale angeht. So hat er bereits erfolgreich mit dem Militär zusammengearbeitet, als es um die Reduzierung von verletzten Glattwalen ging.

Umweltschutzorganisationen fordern jedoch noch mehr. Sie wollen, dass bestimmte Wal-Gebiete für eine gewisse Zeit im Jahr nicht vom Militär befahren werden. Dem widerspricht jedoch die US-Navy-Meeresbiologin Sarah Bellau. Man könne Gebiete nicht sperren, da die Waltiere wandern würden. Außerdem gäbe es zu viele unterschiedliche Wal- und Delfinarten, die sich an verschiedenen Stellen aufhalten.

Beobachter, Aufzeichnungsgeräte und Flugzeuge werden eingesetzt

Ihr Vorschlag lautet daher, geschulte Beobachter nach Walen, Delfinen und Seelöwen Ausschau halten zu lassen. Wenn sich die Tiere den Schiffen nähern, würden die Sonar-Signale reduziert oder ganz abgeschaltet werden, versichert Sarah Bellau. Mindestens eine halbe Stunde lang oder eben so lange, wie sich die Tiere in der Nähe der militärischen Schiffe aufhielten.

Aber nicht nur geschulte Beobachter, sondern auch Geräte, welche die Unterwasserlaute der Meeressäuger registrieren, werden eingesetzt. Außerdem fliegen Flugzeuge über ein Übungsgebiet, um auszuschließen, dass sich Meeressäuger in der Nähe befinden. Erst wenn sichergestellt ist, dass sich keine Wale, Delfine oder Seelöwen in der Region befänden, würde mit der Übung begonnen. In Meeresschutzgebieten herrschen zudem verstärkte Auflagen für die US-Navy.
(Quelle: Navy Plans Three Times More Sonar Testing)

So richtig beruhigend klingt das für mich nicht. Sonar-Signale können sich sehr weit ausbreiten und dadurch auch Tiere beeinträchtigen, die sich nicht in unmittelbarer Nähe der Militär-Schiffe aufhalten. Außerdem bedeutet eine Verdreifachung an Übungssequenzen auch eine potenzielle Verdreifachung der Gefahr für Wale, Delfine und Seelöwen. Von den anderen Meerestieren mal ganz abgesehen.

Einmal mehr muss ich feststellen, dass der oft bemühte Satz „Artgerecht ist nur das Meer“ auch hier an Bedeutung verliert und irgendwann einmal nur noch ein frommer Wunsch sein wird, da die menschlichen Aktivitäten den Meerestieren immer mehr zum Verhängnis werden.

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