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Jürgen Ortmüllers Hang zum Fabulieren


„Die FDP hat ihre gerechte Quittung bekommen. Wir sind uns sicher, dass Hundertausende von Tierfreunden und WDSF-Unterstützern der FDP ihre Stimme versagt haben. Umwelt- und Tierschutz sind Fremdwörter für die FDP aber nicht in der Bevölkerung.“

FTI lädt in den Loro Parque ein. (Foto: Philipp Kro)

FTI lädt in den Loro Parque ein.
(Foto: Philipp Kro)

Diese Worte von Jürgen Ortmüller (Geschäftsführer der Ein-Mann-Organisation Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) stehen in einer (von seinen Spendern?) bezahlten Pressemitteilung in focus online.

Ortmüller glaubt allen Ernstes, dass die FDP eine Abfuhr von Delfinariengegnern erhalten hätte, die die Schließung der beiden Einrichtungen in Nürnberg und Duisburg erreichen wollen.

Nicht nur, dass diese bezahlte Pressemitteilung einer Werbeanzeige gleich kommt und eine rein subjektive Darstellung eines Delfinariengegners darstellt, nein Ortmüller hat bei seiner Rechnung nicht mit einbezogen, dass die Anhänger der FDP nicht etwa zu den von ihm favorisierten Parteien Die Grünen oder Piraten „übergelaufen“ sind, sondern zur CDU/CSU, die sich im Bundestag öffentlich ebenfalls wie die FDP für den Bestand der deutschen Delfinarien ausgesprochen hat.

So groß war Ortmüllers politischer Einfluss dann wohl doch nicht. ;o) Außerdem mussten die beiden Parteien, die er favorisiert hatte, ebenfalls gehörig Federn lassen, obwohl Herr Ortmüller empfohlen hatte, sie zu wählen.

Genauso schlimm vertan hat sich der selbst ernannte Delfin-Experte und aus meiner Sicht „Möchtegern-Allround-Einflussnehmer“ schon früher.

Hier ein paar Beispiele

* Ortmüller versichert seiner Spenden- und Facebook-Gemeinde, dass er sich um den Verbleib aller Delfine kümmern würde, falls die Delfinarien in Deutschland schließen würden. In einem Presseartikel machte er dem Allwetterzoo in Münster das “Angebot”, die vier in Münster lebenden Delfine auswildern zu wollen (siehe auch Beitrag Ortmüllers Angebot geplatzt). Er “vergaß” dabei, dass die vier Delfin-Bullen allesamt in einem Delfinarium geboren wurden und dass eine Auswilderung deshalb gar nicht möglich ist. Letzteres hat Ortmüller inzwischen selbst bestätigt.

Delfine und Seelöwe in Münster (Foto: Allwetterzoo Münster)

Delfine und Seelöwe in Münster (Foto: Allwetterzoo Münster)

* Ortmüller schreibt in einem Kommentar zu einem Presseartikel in der WAZ: „Selbstverständlich hoffen wir als WDSF für eine angenehme Unterbringung der Delfine – das kontrollieren wir. Ein Münsteraner Delfin wurde bereits in das Freiluftgehege in Harderwijk/Holland transferiert.“ Wenn Ortmüller sich ein bisschen besser informiert hätte, wüsste er, dass dieser Delfin (Kite) nicht nach Harderwijk, sondern nach Frankreich gebracht wurde.

* Ortmüller triumphiert in Twitter, dass der TV-Sender Pro Sieben eine Folge von „Germany’s next Topmodel“ wegen seines Protestes gegen das Delfinschwimmen in Dubai nicht ausgestrahlt hätte. Dabei kam der Beitrag einfach nur zu einem anderen Sendetermin, nämlich früher. Ein Blick in die Fernsehzeitschrift hätte ihm das verraten …

* Ortmüller mutmaßt auf seiner Facebook-Seite, dass das Kreuzfahrtschiff AIDA aufgrund seiner „Interventionen“ nicht die Färöer Inseln angelaufen hat. Der eigentliche Grund war ein Sturmtief. Ortmüller, der sich auch als Wetter-Experte aufführt, zweifelt diesen Grund an. Vielleicht hat er über wetter.de eine andere Wetterlage „eruiert“, die aber auf hoher See wohl keine Rolle spielt.

* Ortmüller lobt den Reiseveranstalter FTI dafür, dass dieser keine Delfinarien mehr bewirbt, und zeichnet das Unternehmen mit einem netten Logo als „delfinfreundlich“ aus. Er hat dabei übersehen, dass FTI sehr wohl Delfinarien bewirbt, zumindest das in Europa wohl bekannteste im Loro Parque (siehe oben aktuelles Foto vom September 2013).

* Ortmüller verschweigt, dass in nur 24 Tagen dieser Saison die aktuelle Todesbilanz (nämlich 1.085 Tiere, Stand 14. August; inzwischen sind noch weitere dazugekommen) für 2013 die Gesamttötungszahl der Grindwale der letzten Saison (713 Grindwale) in den Schatten stellt. Er schreibt auf der WDSF-Facebookseite: „Die im Film gezeigte Pingeraktion durch WDSF & ProWal zum Schutz der Grindwale wurde im Frühjahr 2013 durch ProWal wiederholt und führte bis zum 21. Juli dazu, dass kein einziger Grindwal abgeschlachtet wurde.“

* Nachtrag vom 28. November 2013: Ortmüller entrüstet sich darüber, dass ein vor den Färöer Inseln gestrandeter und im Sterben liegender Pottwal mit Scheinwerfern angestrahlt worden wäre. Wohlgemerkt: Ortmüller war selbst nicht vor Ort! Das Foto, das er als „Beweismittel“ hernimmt, stammt von einem Einheimischen, der das Bild nach eigener Aussage per iPhone gemacht hatte. Er hatte für das Foto eine hohe ISO-Auflösung verwendet, damit man das Tier auf dem Foto in der Dunkelheit überhaupt erkennen konnte. Zu keiner Zeit wäre ein Scheinwerferlicht auf den Pottwal gerichtet gewesen.

Ortmüllers Demo auf den Färöer Inseln (Foto: MA)

Ortmüllers Demo auf den Färöer Inseln
(Foto: MA)

* Nachtrag vom 10. August 2014: Ortmüller behauptet in einer Pressemitteilung, dass er 80 Grindwalen das Leben gerettet hätte. Zitat: „Ortmüller und Morlok charterten sofort einen Helikopter, um die Grindwale zurück ins Meer zu geleiten.“ Die Online-Zeitung „Der Westen“ übernahm die Pressemitteilung und postete am 6. August 2014 unter „Jürgen Ortmüller rettet achtzig Grindwalen das Leben“, dass Ortmüller einen Helikopter charterte, um die Tiere zurück ins Meer zu geleiten. Das Ganze wird als „historischer Erfolg“ gewertet. Doch der Vorfall hat sich ganz anders ereignet, wie man in den zahlreichen Kommentaren unter dem Artikel nachlesen kann. Ortmüller hatte weder einen Helikopter gechartert noch hatte er 80 Grindwale zurück ins Meer geleitet. Das hat er später in einem Kommentar sogar selbst zugegeben. Mittlerweile (Stand 13. August 2014) wurde der Artikel, der falsche Behauptungen beinhaltete, glücklicherweise aus dem Internet genommen …
Siehe dazu auch Beitrag bei slides-only.de: Ein Fall für den Presserat.

* Nachtrag vom 4. Oktober 2014: Ortmüller behauptet in einer Pressemitteilung Folgendes: „Die ARD hatte anlässlich der WDSF und ProWal-Aktion ein Filmteam geschickt. Der Sendetermin für die ARD-Sendung Brisant soll im September sein.“ Im September gab es keine Sendung in der ARD über die WDSF- und ProWal-Aktion.

Die Liste der Ortmüller-eigenen Interpretationen ließe sich noch lange fortsetzen … Es würde mich nicht wundern, wenn Ortmüller eines Tages behaupten würde, die Sonne ginge nur deshalb auf, weil er jeden Morgen krähen würde …

5 Kommentare

  1. Die Pressemitteilung „Tierschützer retten 80 Grindwale und protestieren gegen Walmord auf den Färöer-Inseln“ http://www.presseportal.de/pm/43450/2800245/tierschuetzer-retten-80-grindwale-und-protestieren-gegen-walmord-auf-den-faeroeer-inseln wurde von WAZ-online offenbar ungeprüft übernommen. „Jürgen Ortmüller rettet achtzig Grindwalen das Leben“, lautete die Schlagzeile. Eine Woche war diese Falschmeldung trotz massiver Proteste von Kritikern online. Der Screenshot dieser inzwischen von der WAZ gelöschten Meldung liegt vor (siehe Link unten).

    In meinen Kommentaren bei WAZ-online versuchte ich, die Falschmeldung richtigzustellen und die Redaktion zu einer Gegendarstellung zu bewegen, was aber nur zur Folge hatte, dass man mich dort löschte und von Moderatorenseite beschimpfte. Zusätzlich gab die WAZ WDSF-Geschäftsführer Ortmüller, und nur ihm (!), die Möglichkeit, in einem Teil der Printmedien der WAZ die Sache aus seiner Sicht zu erläutern (siehe Link unten). Abgesehen davon, dass er mich dabei verunglimpfte, musste er aber auch einräumen, dass der Charterflug zur Rettung der Wale gar nicht stattfand.

    Das Nicht-Chartern eines Helikopters räumte er auch in einem Kommentar bei WAZ-online ein: „Fakt ist, dass wir die Absicht (!) hatten, mit dem tatsächlich gebuchten und dann durchgeführten Helikopterflug die gesichtete Grindwalschule zurück ins Meer zu geleiten. Nachdem wir den dänischen Polizeichef Sörensen im Hauptrevier in Tórshavn, dem die Färöer-Polizei unterstellt war und der uns als Ansprechpartner zugewiesen wurde, darauf aufmerksam machten, dass eine Abschlachtung der Grindwale an dem Sichtungsort gesetzlich unzulässig ist, wurde uns zugesagt, dass die Schlachtung abgesagt ist. Daher haben wir mit dem Helikopter 2 anderen Buchten gecheckt.“

    Die Falschmeldung und die gemeinsame Vorgehensweise von WAZ-online und Ortmüller gegenüber Kritikern wurde somit ein Fall für den Presserat. Wie dieser die Sache beurteilte können Sie in unten angegebenem Link sehen.

    Denken Sie also immer an diese (nachgewiesene!) Falschmeldung und vergessen Sie nie den Spruch: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!“

    Link: http://www.slides-only.de/berichte/delfinarien-gegner/ein-fall-fuer-den-presserat/

    geschrieben von Rüdiger Hengl
  2. Auf seiner Facebook-Seite hat Ortmüller am 5.10.2013 den Beitrag „ZDF – Walmord auf den Färöer-Inseln und spektakuläre Aktionen“ eingestellt.

    Ortmüller hat an diesem Abend kurz vor 20:00 Uhr 4060 Liker. Eine erste Analyse zeigt, dass der Beitrag 28 Personen gefällt, d.h. aber nichts anderes, als dass mindestens 4032 Liker Ortmüllers „spektakulären Aktionen“ gleichgültig gegenüberstehen oder diese sogar ablehnen (schließlich könnten auch Nicht-Liker „gefällt mir“ geklickt haben).

    Bezogen auf 4060 Liker sind 28 „gefällt-mir-Klicker“ gerade mal 0,69%.

    Mit 0,69% „gefällt-mir-Klickern“ würde ich mich als Geschäftsführer einer der weltweit aktivsten Organisation um Schutz von Meeressäugetieren mit Vor-Ort-Protestaktionen und juristischen Interventionen nicht so in den Vordergrund stellen, sondern langsam über meinen Rücktritt nachdenken. Das Ergebnis ist beschämend, ja sogar noch schlechter als das der FDP bei der letzten Bundestagswahl. Dabei hat gegen Ortmüller und das WDSF im Vorfeld seiner „Aktionen“ gar niemand zum Boykott aufgerufen.

    geschrieben von Rüdiger
  3. Doris, offenbar hast du überhaupt nicht verstanden, um was es hier geht. Die Welt findet auch keinen Frieden, wenn man Selbstdarsteller wie Ortmüller oder Morlok unkommentiert walten lässt.
    Du sprichst dich für Delfinschutz aus. Bei beiden Herren habe ich den Eindruck, dass sie den Delfinen (und Walen) mehr schaden als nützen. Du kannst dazu ja meine verschiedenen Beiträge lesen.

    geschrieben von Susanne
  4. Ortmüller ist vielleicht Steuerberater, aber nicht der Lenker der Welt, auch dann nicht, wenn er im Vorwort eines Esoterik-Büchleins mal geschrieben hat, dass nichts im Leben unmöglich sei, und sich jedem Menschen die unendliche Vollkommenheit eröffne, wenn er sich entschließt, mit dem Universellen Licht zusammenzuarbeiten. Ich halte das für sehr abgehoben.

    Dass Ortmüllers Aufruf nichts bewirkt hat, spiegelt sich ja darin, dass die ehemaligen F.D.P-Wähler überwiegend zur CDU gewechselt sind. Hat das Ortmüller so gewollt? Die sind doch auch für Delfinarien! Und was ist mit dem Absturz der Grünen und den nicht ins Parlament gekommenen Piraten? Für die hat Ortmüller doch Werbung gemacht.

    Es braucht also schon etwas mehr als einen Herrn Ortmüller, um Welt zu beeinflussen.

    Selbst wenn Ortmüller mit seiner Watson-Kampagne (ja, er schmückt sich gerne mit großen Namen. Wo ist eigentlich Ex-Kuratoriums-Mitglied Ric O’Barry?) 1.000.000 Facebook-Leser erreicht haben sollte, muss man berücksichtigen, dass Watsons Anhänger auf der ganzen Welt verstreut sind, von Kanada bis Neuseeland und wer weiß sonst noch wo noch. Nur ein winziger Bruchteil davon lebt in Deutschland und ein noch winzigerer Bruchteil davon darf in Deutschland wählen. Schließlich ist der Anteil der „Tierschützer“, die von diesen Watson-Anhängern F.D.P. gewählt hätten, so klein, den gibt’s meiner Ansicht nach gar nicht mehr.

    Nein, nein! Ortmüller beeinflusst die Geschicke in Deutschland nicht, selbst wenn er wollte. Könnte er das wirklich, wären die Grünen und die Piraten dann je so jämmerlich abgestürzt oder gleich gar nicht in den Bundestag gekommen.

    Man darf Ortmüllers Worte einfach nicht wichtig nehmen und schon lebt sichs besser. Lassen wir Ortmüller also seine Traumwelt. Wenn er bloß nicht so viel Schaden anrichtete…

    Zu seinen „Presse“-Auftritten: Über Menschen, die im Blickpunkt stehen, schreiben Journalisten gerne. Andere müssen dafür leider bezahlen, wenn ihr Name in der Presse erscheinen soll (Spendengelder?).

    Artikel in Focus sind durchaus geeignet, sich selbst darzustellen, wenn Journalisten selbst nicht mehr über einen schreiben wollen. Man kann sie kaufen, die kosten also. Leider übersehen Menschen, deren Intellekt über das „Like-Klicken bei Facebook“ nicht hinausreicht, dann gerne, dass vor dem eigentlichen Artikel kleingedruckt steht: „PR-Material von Kunden der news aktuell GmbH, keine redaktionelle Auswahl oder Prüfung durch FOCUS Online“. Übersetzt heißt das nichts anderes als „WERBUNG!“ Und was da so drinsteht, ist uns allen hinlänglich bekannt.

    geschrieben von Rüdiger
  5. Wenn ich diese Hetzerei gegen Personen beobachte, und dabei meine ich wohlbemerkt BEIDE Seiten, wundert mich nicht, dass die Welt keinen Frieden findet. Dieser Kleinkrieg ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft und für den Delfinschutz im Besonderen.

    geschrieben von Doris Thomas

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