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Kampf gegen Geisternetze im Meer


Sie haben tatsächlich etwas Gespenstisches – sogenannte Geisternetze, die sich von Booten losgerissen haben oder vergessen wurden. Ohne Kontrolle treiben die kilometerlangen Kunststoffgebilde durch die Meere.

In Netz gefangener Wal, Modell
(Foto: Susanne Gugeler/Ozeaneum)

Tödliche Falle

Oft werden sie zur tödlichen Falle für Wale, Meeresschildkröten, Seevögel und andere Tiere. Zerrieben in unzählige Plastikteilchen, treiben sie ihr Unwesen weiter. Denn Meerestiere verwechseln das Plastik mit Beute und schlucken es. Bekanntlich steht am Ende der Nahrungskette der Mensch. Der Kunststoffmüll landet also früher oder später auf unserem Teller.

Doch wie holt man die Netze aus dem Meer und wie kann man sie recyclen? Dazu hat die Umweltstiftung WWF verschiedene Methoden zur Kunststoffverwertung getestet.

Giftiges Blei muss aussortiert werden

Andrea Stolte vom WWF-Ostseebüro gibt zu bedenken, dass vor allem Stellnetze Probleme bereiten, weil sie giftiges Blei enthalten. Dieses müsse vor der Weiterverarbeitung aussortiert werden. Ebenso organische Materialien wie Fischgräten, Sand und Schlick. Schlecht wäre auch, dass die Polyamidfasern der Netze während der Verarbeitung zerfasern würden. Aus ihnen lässt sich dann nur sehr schwierig Granulat herstellen.

Netze bestehen aus einem Mix von bis zu vier Stoffen: Polypropylen, Polyethylen, Polyamid und PET. Diese müssen getrennt werden.

Erhitzen und Verdampfen

Als bislang einzig vertretbare Verarbeitungsmöglichkeit habe sich – laut Stolte – das Erhitzen und schließlich Verdampfen der Netze bei sehr hohen Temperaturen von über 1.000 Grad herauskristallisiert. Wird während der Reaktion Wasser hinzugegeben, entsteht ein Gas. Dieses könne zur Herstellung von Wasserstoff für Brennstoffzellen genutzt werden.

Tonnenweise Netze in der Ostsee

Schätzungen zufolge sollen allein in der Ostsee 5.000 bis 10.000 Netze und Netzteile pro Jahr verloren gehen. Greenpeace spricht von 25.000 Geisernetzen in europäischen Gewässern.

Um das Geisternetz-Problem in den Griff zu bekommen, wurde das „Marelitt Baltic“-Projekt auf die Beine gestellt. An ihm beteiligt sind Fischereigemeinden, Forschungsinstitute und Umweltverbände aus Schweden, Estland, Polen und Deutschland.

Die Mitarbeiter des Projekts betreiben seit zwei Jahren Studien, wie die Kunststoffnetze aus dem Meer geborgen und wiederverwertet werden können. Außerdem wird untersucht, ob sich die Netze eventuell durch Signalgeber markieren lassen, damit sie besser gefunden werden können.

Sonar-Methode im Einsatz

Aufgespürt werden die Netze u.a. durch eine Sonar-Methode, die in großer Tiefe und damit näher am Meeresboden eingesetzt werden kann.

2016 und 2017 sind in der deutschen Ostsee rund 5,2 Tonnen Geisternetze mithilfe von Netzharken und Tauchern geborgen worden. An der polnischen Küste wurden 2015 mithilfe von Netzharken sogar 270 Tonnen verloren gegangener Netze aus dem Meer gefischt.

In Deutschland hofft man nun, mit der Sonar-Methode noch mehr Netze aufzuspüren, als bisher möglich war.
(Quelle: shz.de)

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