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Auf Abstand zu den Delfinen


Immer öfter kann man einzelne Delfine in Häfen oder nahe der Küste beobachten.

Delfin im Hafen von Puerto Colon/Teneriffa
(Foto: Bondea II)

Das aktuellste Beispiel ist ein Großer Tümmler, der sich seit ein paar Tagen im Hafen von Puerto Colon auf Teneriffa aufhält.

Begegnungen in deutschen Gewässern

Die Verlockung ist groß, ins Wasser zu springen, um dem Meeressäuger ganz nah zu sein. Vielleicht kann man das Tier sogar streicheln oder füttern … Doch davon ist abzuraten.

Das kann man auch in einem Leitfaden nachlesen, den das Bundesamt für Naturschutz zusammen mit mehreren Organisationen herausgegeben hat. Er bezieht sich speziell auf Begegnungen mit Walen und Delfinen in deutschen Gewässern.

Basierend auf Richtlinien, die vor längerer Zeit bereits für Whale-Watching-Unternehmen und Privatbeobachter weltweit herausgegeben wurden, haben die Organisationen noch ein paar weitere – speziell auf deutsche Küsten bezogene – Verhaltensmaßnahmen aufgenommen.

Respektvollen Abstand einhalten

Im Kern geht es darum, den Menschen deutlich zu machen, dass sie stets einen respektvollen Abstand zu den Tieren halten und sehr vorsichtig agieren sollen. Wesentlich ist es darüber hinaus, dass den Tieren die Entscheidung überlassen wird, ob sie in Interaktion mit uns Menschen gehen wollen oder nicht. Denn in ihrem Element sind schließlich wir Menschen Gäste.

Diese Maßnahmen sollten eigentlich selbstverständlich sein, finde ich. Ob sich die Badenden (und Bootsfahrer) an diese Regeln halten, bezweifle ich. In der Vergangenheit hat sich allzu oft gezeigt, dass nur strikte Verbote eine allzu dichte Annäherung verhindern.

Badeverbot wegen aufdringlichem Delfin

Ich erinnere dabei nur an Zafar. Dieser Große Tümmler kam bis an den Strand von Landévennec/Frankreich.

Erst ein von der Verwaltung ausgesprochenes Badeverbot sorgte dafür, dass niemand mehr dem Delfin zu nahe kam. Eine Begegnung mit Zafar war nämlich äußerst gefährlich, nachdem der Delfinbulle Schwimmern gegenüber zu aufdringlich geworden war.

Im Mai diesen Jahres starb Zafar wahrscheinlich an den Folgen einer Kollision mit einem Boot. Auch hier wurde offenbar kein Abstand zum Tier eingehalten.

Schläge mit der Schwanzflosse deuten auf Drohung hin

Nicht jeder kann die Ausdrucksweisen eines Delfins interpretieren. Schließlich scheint er immer zu lächeln.

Selbst was für manche von uns spielerisch aussieht, kann ein Ausdruck von Stress sein. Schläge mit der Schwanzflosse auf die Wasseroberfläche oder auch Sprünge sind manchmal (Warn-)Signale, die auf mögliche Störungen hinweisen.

Dissonanz zwischen Bild und Text

Im Verhaltenskodex des Bundesamts für Naturschutz wird grundsätzlich davon abgeraten, sich den Delfinen oder Walen mit Kajaks, Ruderbooten oder Stand-Up-Boards zu nähern.

Allerdings ist auf dem Titelbild der als PDF herunterladbaren Richtlinien genau solch eine Szene zu sehen, die eine trügerische Harmonie vorgaukelt und Lust aufs Nachmachen anfacht. Auch hier wird offenbar der empfohlene Mindestabstand nicht gewahrt, nur um ein spektakuläres Foto veröffentlichen zu können …

Den Verhaltenskodex für den richtigen Umgang mit wild lebenden Walen und Delfinen findet ihr hier.

Falsche Botschaft

Für eine falsche Botschaft halte ich auch den Titel in einem Artikel vom Nordkurier: „Beste Freunde – Delfin spielt mit Möwe und Kampfschwimmern in Eckernförder Bucht“.

Ob man da schon von Spiel sprechen kann, wenn sich zufällig eine Möwe auf einer Boje niederlässt, die ein Gemeiner Delfin seit April diesen Jahres umrundet? Evtl. hat sie auch nur gelernt, dass der Delfin dort Fische fängt und dass ab und zu auch ein Happen für den Vogel abfällt.

Wie das Spiel zwischen Delfin und Kampfschwimmern ausgesehen hat, erfährt man in dem Artikel ebenfalls nicht …

Meiner Meinung verleiten derartige Schlagzeilen Menschen dazu, sich nun erst recht einem wilden Delfin zu nähern, um selbst die Erfahrung machen zu können, wie dieser denn reagiert.

Lesetipps

* Aufdringlicher Delfin
* Badeverbot ausgesprochen
* Freddy, Han Solo und die anderen …

3 Kommentare

  1. Hallo Dani und Oliver,
    vielen Dank für eure Beiträge! Ich denke auch, dass die Neugier auf ein wildes Tier (mit dem positiven Image von Flipper) den Richtlinien des Bundesamts für Naturschutz trotzen wird. Die Medien tun ihr Übriges, den Delfin als verspieltes Schmusewesen darzustellen. Wer kann da nicht widerstehen …
    Sich ohne (uneinschätzbare) Gefahr nähern kann man sich in der Tat Delfinen in Duisburg und Nürnberg (Zoo und Tiergarten).

    geschrieben von Susanne
  2. Solange dieses verfälschte Flipper-Bild in den Köpfen der Menschen ist, ändert sich nichts. Das wird dann medial wiedergekäut, weil die entsprechenden Verfasser es auch nicht besser wissen – wieso auch, ist ja Allgemeinwissen – und bestätigt sich dadurch selbst.

    geschrieben von Dani
  3. Danke für Deinen Beitrag.
    Wilde Delfine sind natürlich spannend, aber wenn man die Tiere von Nahem sehen möchte, sollte man sich doch an die an den Menschen gewöhnten Zoo-Delfine halten.

    geschrieben von Oliver

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