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Riesiges Maul, kleiner Schlund


Auch wenn das ZDF und andere Medien uns in der Schlagzeile glauben machen wollen, dass im Osten der USA (Cape Cod) ein Fischer von einem Buckelwal „verschluckt“ wurde, ist das falsch.

Der Hummerfischer wurde lediglich kurz im Maul des Wals gehalten und dann wieder ausgeworfen.

Auge eines Buckelwals – LWL-Museum, Münster
(Foto: Rüdiger Hengl)

Dieses Ereignis ist zwar äußerst selten und spektakulär, aber man muss daraus keine irreführende Überschrift machen.

Beutetiere sind nur so groß wie ein Bleistift

Das drei Meter große Maul eines Bartenwals kann zwar locker einen ausgewachsenen Menschen aufnehmen, doch der Schlund des Meeressäugers ist viel zu eng, um einen Taucher verschlucken zu können.

Die Wale machen Jagd auf Sandaale. Diese sind ungefähr so lang und dick wie ein Bleistift. Etwa eine Tonne davon vertilgt ein Buckelwal am Tag.

Plötzlich wurde es dunkel

Michael Packard aus Provincetown im Bundesstaat Massachusetts wollte auf dem Meeresboden Hummer einsammeln, als er plötzlich einen Ruck verspürte und es um ihn herum schwarz wurde. Den Medien erklärte er später, dass ein Buckelwal versucht hätte ihn zu fressen. Nach etwa 30 Sekunden habe ihn das Tier wieder ausgespuckt.

Zum Glück ist der Mann mit blauen Flecken davongekommen.

Der Wal hat den Taucher nicht gesehen

Wenn der Taucher gewusst hätte, dass er von einem Wal verschlungen werden würde, wäre er diesem offensichtlich aus dem Weg gegangen.

Die Augen des Wals befinden sich tief an der Seite seines Kopfes direkt hinter seiner Mundlinie. Er sieht, was neben ihm ist, aber nicht unbedingt, was vor ihm liegt.

Im Wasser vor Cape Cod schwimmt viel Plankton, sodass die Sicht nur etwa drei bis viereinhalb Meter beträgt. Weder der Wal noch der Taucher können viel sehen.

Der Mensch gehört nicht zum Beuteschema

Bartenwale fressen keine Säugetiere. Selbst wenn sie wollten, ginge das nicht. Sie haben nämlich keine Zähne. Stattdessen haben sie ein Filtersystem – die Barten. Sie filtern ihre Nahrung mit diesen Hornplatten aus dem Wasser. Diese Nahrungsaufnahme ist vergleichbar mit einem Sieb, mit dem man Spaghetti abseiht.

Die Barten befinden sich im Oberkiefer. Sie ermöglichen es den Walen, kleine Fische aus dem Wasser zu ziehen. Nachdem sie ihre Fische aus dem Wasser gesiebt haben, schlucken Buckelwale die Fische im Ganzen und überlassen die restliche Arbeit ihrem Magen.
(Quelle: Humpback whale “swallows” a diver? Not exactly.)

Lesetipp

Cape Cod: Buckelwal verschluckt Hummerfischer

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