Nachdem alle Belugas aus dem bankrott gegangenen kanadischen Marineland in fünf andere Delfinarien umgesetzt wurden, fragen sich bestimmt viele, was aus den beiden Orcas aus dem französischen Marineland wird, das ebenfalls geschlossen wurde.
Forschung im Freiland und im Delfinarium
Zum Schicksal von Wikie und ihrem Sohn Keijo hat sich die Delfin-Expertin Dr. Kathleen Dudzinski in einem Interview geäußert (siehe unten).
Die Wissenschaftlerin erforscht das Verhalten und die Kommunikation von Großen Tümmlern, Orcas und anderen Delfinarten. Unter anderem führt sie ihre Studien auf den Bahamas, in Honduras, in Japan, in der Straße von Gibraltar, im Duisburger Delfinarium und im Loro Parque durch.
Auf ihrer Website Dolphin Communication Project berichtet sie über ihre Projekte.
Rückblick
Im August 2013 hatte ich das große Glück, die international anerkannte Delfin-Spezialistin im Duisburger Zoo persönlich kennenlernen zu dürfen. Dort betrieb sie Studien zum Verhaltensrepertoire der Großen Tümmler. Kathleen fand heraus, dass freilebende und in menschlicher Obhut gehaltene Delfine sehr ähnliche soziale Kontakte pflegen. Dazu gehört unter anderem, dass Große Tümmler ihre Flipper (Brustflossen) aneinander reiben.
Zu den Orcas in Antibes
Offenbar leben Wikie und Keijo immer noch in dem seit Anfang 2025 geschlossenen Marineland in Antibes (Südfrankreich).
Kathleen plädiert dafür, dass die beiden Orcas im Loro Parque (Teneriffa) untergebracht werden, da sie wahrscheinlich gut in die dort aus vier Artgenossen bestehende Gruppe integriert werden könnten. Sie lehnt ein Sanctuary ab, da bisher nichts Brauchbares dazu existiert.
Außerdem wären die Orcas in einem Sea Pen (Gehege im Meer) einer sensorischen Reizüberflutung ausgesetzt. Man müsste sie dafür erst einmal desensibilisieren.
Zudem müsste man die Meeressäuger vor in freier Wildbahn vorkommenden Bakterien und Parasiten schützen. Sie haben dagegen keine Immunität ausgebildet.
Soziale Kontakte wichtiger als Größe eines Pools
Beschäftigung und soziale Aktivität sind wichtiger als die Größe eines Pools, ist sich Kathleen sicher. Beides ist im Tierpark auf Teneriffa gegeben.
Forschung kommt freilebenden Tieren zugute
In den Becken des Loro Parques sind Hydrophone installiert. Ständig werden die Lautäußerungen der dort lebenden Orcas für Forschungszwecke aufgezeichnet.
Man weiß, dass Orcas Dialekte verwenden.Es wäre interessant zu sehen, wie Wikie und Keijo ihre Dialekte mit den anderen Orcas austauschen. Diese Beobachtung würde auch Aufschluss darüber geben, wie zwei verschiedene Gruppen in der Wildnis miteinander kommunizieren, wenn sich ihre Wege kreuzen.
(Quelle: Wild Voices 31)
Lesetipps
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