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Trauern Buckelwale um ihr verstorbenes Jungtier?


In Australien vor der Gold Coast (Queensland) wurde im Juli 2025 ein Buckelwalweibchen dabei beobachtet, wie es immer wieder zu seinem toten Kalb abtauchte.

Buckelwal-Kalb
(Symbolfoto: Roland Edler)

Auge an Auge neben dem toten Baby

Mithilfe einer kleinen Kamera wurde aufgezeichnet, wie die Walkuh den Körper des toten Jungtiers mit ihrem Kopf und ihrer Brustflosse berührte.

Die Aufnahmen zeigen auch, dass sich die Mutter – Auge an Auge – neben das vermutlich tot auf die Welt gekommene Kalb legte. Fast zwei Stunden blieb sie in der Nähe des Leichnams.

Die Walmutter war nicht allein. Ein zweiter Buckelwal schwamm neben ihr. Die beiden tauschten Laute aus.

Überraschende Beobachtungen

Der deutsch-australische Meeresbiologe Olaf Meynecke von der Grifftith University sagte: „Im Gegensatz zu Berichten über Zahnwale, bei denen Mütter beobachtet wurden, wie sie ihre toten Kälber an die Wasseroberfläche hoben, zeigte diese Buckelwalmutter ein anhaltendes Verhalten und große Zuwendung gegenüber ihrem verstorbenen Kalb unter Wasser.“

Zusammen mit dem Walretter Andrew Mulville hat Meynecke die Beobachtungen ausgewertet. Offenbar gibt es bisher keine anderen Daten für solch ein Verhalten bei einem Buckelwal.

Wal trug Jungtier nicht nach oben

Es stellt sich automatisch die Frage, ob Waltiere trauern können.

Offenbar hat die Walmutter verstanden, dass ihr Kalb nicht mehr lebt. Denn normalerweise helfen die Meeressäuger ihrem auf die Welt gekommenen Nachwuchs an die Wasseroberfläche, damit sie dort ihren ersten Atemzug tun können.

Beobachtungen bei anderen Meeressäugern

Auch von Großen Tümmlern, Grindwalen und Orcas wurden ähnliche Szenarien gefilmt.

Das Orcaweibchen Tahlequah beispielsweise trug 2018 sein totes Kalb vor der Küste Nordamerikas 17 Tage lang auf der Schnauze und Stirn. Tahlequah legte dabei 1.500 Kilometer zurück. Sobald der Körper zu sinken drohte, hob ihn das Muttertier an die Wasseroberfläche.

Trauerreise

Wissenschaftler sprachen von einer „Tour of grief“ (= Trauerreise).

Meynecke stellte fest, dass der Verlust eines Jungtieres ähnliche Verhaltensweisen auslöst wie bei einem Menschen. Es wird keine Nahrung mehr aufgenommen, das Muttertier isoliert sich.

Vielleicht kann man die Beobachtungen bei Walen und Delfinen nicht mit dem Abschied vergleichen, den Menschen nach dem Tod eines Angehörigen oder Freundes durchleben. Doch wenn Trauer bedeutet, dass ein Verstorbener nicht einfach losgelassen werden kann, dann lässt sich der Vergleich mit Menschen sehr wohl ziehen.
(Quellen: Augsburger Allgemeine vom 10. Oktober 2026, The Guardian und Humpback whale filmed ‘grieving’ stillborn calf in world-first footage)

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