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Informationen zur Massenstrandung in Cape Cod


Zur Massenstrandung von Delfinen in Cape Cod (Massachusetts/Nordost-Amerika) gibt es vom National Marine Fisheries Service Northeast Regional Office Marine Mammal Stranding Program einen interessanten Informations-Flyer. Hier meine Übersetzung:

Gemeiner Delfin (Foto: Lobosonda/Madeira)

Wie viele Delfine sind in diesem Winter in Cape Cod gestrandet?

Zwischen 12. Januar und 16. Februar 2012 strandeten 178 Gemeine Delfine in Wellfleet (MA) und Umgebung. 107 Tiere waren bereits tot, 71 waren noch am Leben, als die Helfer eintrafen. 53 davon konnten erfolgreich zurück ins Meer gebracht werden, 18 Delfine starben noch am Strand oder mussten eingeschläfert werden.

Wer kümmerte sich um die Delfine?

Die Organisation International Fund for Animal Welfare (IFAW) von Cape Cod/Massachusetts hat die Rettungsaktionen geleitet. Außerdem waren Helfer vom Northeast Regional Stranding Network vor Ort. Das Netzwerk gehört zum NOAA Fisheries’ Marine Mammal Health and Stranding Response Program, dem insgesamt 120 Organisationen angeschlossen sind. Die Mitarbeiter des Netzwerks sind in allen Küstenstaaten Amerikas stationiert. Zu ihnen gehören sowohl Delfin-Experten als auch Freiwillige von Tierschutzorganisationen, Delfinarien, Universitäten sowie Regierungen. Alle wurden darauf trainiert, Delfine zu retten.

Wann spricht man von einem gestrandeten Tier?

Ein Waltier (Wal, Delfin oder Schweinswal) gilt als gestrandet, wenn es tot oder lebendig an Land liegt oder wenn offensichtlich ist, dass ein im Meer schwimmendes Tier Hilfe braucht. Ein Seelöwe oder Seehund gilt als gestrandet, wenn er tot an Land liegt oder wenn er Hilfe braucht. Gestrandete Tiere können nicht ohne menschliche Hilfe zurück ins Meer.

Strandungen von Einzeltieren kommen sehr häufig vor. Jedes Jahr werden zwischen 2.500 und 6.000 Meeressäuger vom Strandungs-Netzwerk registriert. Stranden mehr als zwei Tiere zur gleichen Zeit am selben Ort, spricht man von Massenstrandung. Die Zweierbeziehung Mutter-Kind fließt in die Zählung nicht mit ein.

Von „Ungewöhnlichen Strandungen“ (Unusual Mortality Events – UME) spricht man, wenn abnorm viele Meeressäuger aus ungeklärten Gründen gestrandet sind.

Die größte Massenstrandung seit 20 Jahren

Massenstrandungen in Cape Cod gibt es bereits seit mehreren Jahrhunderten. Cape Cod ist der am häufigsten erwähnte Strandungsort in den USA. Die am meisten von Strandungen betroffenen Delfine sind: Gemeiner Delfin, Weißseitendelfin und Grindwal.

Die aktuelle Massenstrandung ist allerdings die größte Massenstrandung, die seit 20 Jahren in dieser Region aufgezeichnet wurde.

In den vergangenen Jahren gab es folgende Massenstrandungen in Massachusetts (Beispiele): 2002 gerieten bei 14 Strandungen 104 Delfine an Land. 2006 waren es bei 16 Strandungen 106 Delfine, die betroffen waren.

Strandungsgründe in Cape Cod

Es sind zum einen wohl die Wetterbedingungen, durch die die Delfine immer wieder irritiert werden.

Dann gibt es die Theorie, dass Gemeine Delfine ihrer Beute bis in seichte Gewässer folgen und dann bei Ebbe stranden.

Auch kann es sein, dass eine Delfingruppe einem kranken oder alten Leittier in seichte Gewässer folgt und dort dann zusammen mit dem beeinträchtigten Tier strandet.

Geomagnetische Anomalien können eine Delfingruppe fehlleiten.

Untersuchungen an toten und lebenden Delfinen aus der aktuellen Massenstrandung zwischen Januar und Februar 2012 haben allerdings keinen Aufschluss über den Strandungsgrund gebracht. Es sieht ganz so aus, als ob die Delfine im hakenförmigen Seitenarm der Bucht gefangen waren und bei Ebbe an Land gerieten. Gemeine Delfine halten sich für gewöhnlich nur in tiefen Gewässern auf. Es könnte also ein Unfall gewesen sein, der die Delfine zum Stranden brachte. Diejenigen Tiere, die gerettet und in tiefere Gewässer gebracht wurden, schwammen sofort aufs offene Meer hinaus. Sie schienen o.k. zu sein.

Allgemeine Ursachen für Strandungen

Ursachen für Strandungen können sein: Parasitenbefall, Infektionen, Unterernährung, Meeresverschmutzung, Verletzungen, die durch Bootspropeller oder Fischernetze herbeigeführt wurden, Unterwasserlärm, Algenblüte, ungewöhnliche Wetter- oder Meeresbedingungen …

Gab es einen militärischen Einsatz, der für die Strandungen verantwortlich gemacht werden kann?

Offenbar gab es in den vergangenen 24 Monaten keine militärischen Übungen in Nordost-Amerika.

Lesetipps

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Ein Kommentar

  1. Am 22. November sind erneut Gemeine Delfine in Cape Cod gestrandet. Von 4 Tieren konnten 3 erfolgreich ins offene Meer zurückgebracht werden, 1 Tier starb leider.
    Bisher sind in diesem Jahr 262 Gemeine Delfine gestrandet, der Jahresdurchschnitt liegt sonst bei 38 Delfinen.
    Quelle: http://www.boston.com/news/local/massachusetts/20

    geschrieben von Susanne

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