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Orca-Laute locken Grindwale an


Eine in Norwegen durchgeführte Studie hat ergeben, dass aufgenommene Töne von jagenden Orcas deren Verwandte – die Grindwale – regelrecht anlocken, statt, wie erwartet, verscheuchen.

Beispiel für einen akustischen Vergrämer (Pinger) (Foto: Susanne Gugeler)

Beispiel für einen akustischen Vergrämer (Pinger)
(Foto: Susanne Gugeler)

Aufgenommene Orca-Laute oder andere Töne werden auch in der Fischerei eingesetzt, um kleine Schweinswale oder Robben von den Netzen fernzuhalten. Sie werden von sogenannten Pingern abgegeben, die an den Netzen befestigt werden.

Doch bei den großen Grindwalen (auch Pilotwale genannt) scheint das nicht zu funktionieren. Die Signale locken die Tiere regelrecht an …

Grindwale vermuten gedeckten Tisch

Die norwegischen Grindwale zeigten keinerlei Schreck- oder Fluchtverhalten, sondern näherten sich den abgespielten Orca-Lauten. Offenbar vermuteten sie einen „gedeckten Tisch“, denn wo jagende Orcas (auch Schwertwale genannt) sind, da gibt es logischerweise Fisch. Man nennt diesen gegenteiligen Effekt der Abschreckung auch „Dinner-Bell-Effekt“.

Zwar bezieht sich diese Studie auf Grindwale, die in norwegischen Gewässern vorkommen, doch sie ist meiner Meinung nach durchaus auf die Färöer Inseln übertragbar.

Ist Pinger-Aktion ein Disaster?

Falls die von Andreas Morlok (ProWal) in diesem Jahr amateurmäßig versenkten Pinger vor den Färöer Inseln (siehe hierzu den MA-Beitrag Warum die Pinger-Aktion von Pro Wal nichts bringt) auch hier die Grindwale anlocken, statt abschrecken, so wäre seine Aktion als Disaster zu bezeichnen. Denn: Allein zwischen 21. Juli und 14. August 2013 wurden so viele Grindwale getötet wie im gesamten Vorjahr nicht. (Quelle: WDC/München)

Ob die Tiere von Morloks Pinger angelockt wurden oder nicht, kann nicht bewiesen werden, aber die Studie sollte zumindest sehr zu denken geben.

Trotz (oder wegen?) Pinger-Einsatz die meisten erlegten Grindwale innerhalb einer Dekade

Bereits 2010 wurde von Andreas Morlok (zusammen mit Jürgen Ortmüller/WDSF) eine Pinger-Versenk-Aktion durchgeführt. Dazu gibt es sogar einen „Werbefilm“.

Im Jahr 2010 wurden aber auch die meisten erlegten Grindwale der Dekade (2001 bis 2011) verzeichnet … Waren hierfür etwa die ins Wasser gelassenen und mit Orca-Lauten geladenen Pinger der beiden Ein-Mann-Organisationen die Ursache? Wurde der als Schutzmaßnahme gedachte Einsatz gar zur Todesfalle für die Grindwale?

Ich weiß es nicht. Aber eines rate ich den beiden „Delfin-Schützern“: Hände weg vor unüberlegten Aktionen!

4 Kommentare

  1. Der Einsatz von Pingern war vorher schon umstritten, diese Studie unterstreicht das deutlich.
    Allerdings sind die färöischen Fangzahlen von 2010 keine statistischen Ausreißer: ein Trend läßt sich daraus ebenso wenig ableiten, wie aus den Jahren, in denen überhaupt kein Grindadráb stattgefunden hat. Da es keine weiteren Daten gibt, läßt sich auch kaum auf die Wirksamkeit der Pinger rückschließen. Der o.a. Studie entsprechend könnte es einen Anreiz-Effekt gegeben haben, es könnte aber auch eine Anzahl von Grindwal-Schulen vergrämt worden sein. Man weiß ja nicht wirklich irgendetwas. Das muß man eigentlich auch garnicht, denn außer den Angaben der für ihre Wahrheitsliebe überaus bekannten EinMann-Organisationen liegt in keinem Fall irgendein positiver Nachweis oder eine Bestätigung des Ausbringens von funktionierenden Pingern vor, insbesondere gibt es nicht eine einzige Empfangsbestätigung der akustischen Signal-Abstrahlungen. Im übrigen steht das illegale Ausbringen solcher Geräte in den Färöern unter Strafe, gäbe es einen Nachweis, dann wäre längst eine Strafanzeige erfolgt; in dieser kleinen Community ließe sich soetwas, zumal öffentlich angekündigt, nicht unbemerkt durchführen. Deshalb geht man sicherlich nicht fehl in der Annahme, daß es diese Pinger-Signale überhaupt nicht gibt. Außer in den Presse-Erklärungen der Urheber dieser Fakes.

    geschrieben von George Hartwig
    1. @ George Hartwig
      Wenn es die Pinger-Ausbringung nicht gibt, was hat dann Morlok mit den zweckbestimmt eingenommenen Spendengeldern gemacht?

      geschrieben von Rüdiger
  2. Lest bei dem Werbefilm (https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=OsSuryggQt8) bitte auch mal die Kommentare!

    Dort schlägt einer vor, ein neues "Ausschwitz" zu bauen, ein anderer empfiehlt, "Ungeborene aus den Gebärmüttern der Schwangeren Frauen zu schneiden", ein dritter will einfach nur die Inseln "ausradieren". Aussagen, die dort teilweise seit Monaten stehen und vom WDSF nicht gelöscht worden sind!

    Solche Äußerungen im Umfeld einer gemeinnützigen und damit steuerbefreiten oder zumindest steuerbegünstigten Organisation ist meiner Ansicht nach untragbar!

    Bitte überlegt euch also ernsthaft, wem ihr eure Spendengelder in den Rachen werft!

    geschrieben von Rüdiger
  3. Dann ist Morlok von ProWal, sofern er wirklich Pinger vor den Färöern ausgebracht hat , womöglich mitschuld am Tod etlicher Grindwale.

    Wenn es stimmt, was die norwegische Studie sagt, hat er unter Umständen Tiere, die er vorgibt, schützen zu wollen, fahrlässig in den Tod gelockt.

    Und ich dachte immer, ProWal sei für Wale und nicht dagegen.

    Deshalb sollte man einfach mal VORHER mit den Leuten reden, die von der Sache etwas verstehen und nicht in blinden Aktionismus verfallen.

    geschrieben von Rüdiger

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