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Katastrophale Entwicklung bei den Küsten-Delfinen


Artikel von Stefan Hintsche, Diplom-Biologe

Die Morbillivirus-Epidemie bei den Küstentümmlern an der atlantischen US-Küste hält an. Laut einer Zählung von 2010 besteht die Gesamtpopulation der Art aus 39.206 Tieren.

Todfund in Waterville/Westirland (Foto: H.W.)

Toter Delfin (Foto: H.W.)

Inzwischen sind über 1.000 Tiere, also ca. 2,6 Prozent des Artbestandes bereits tot aufgefunden worden. Bei der Population an der Südostküste der USA sind es sogar schon 10 Prozent des Bestandes und ein Ende ist nicht in Sicht.

Subpopulationen droht Auslöschung

Besonders dramatisch könnte es werden, wenn das Virus auf die Populationen im Golf von Mexiko trifft, denn dort sind seit dem Unfall der BP-Ölplattform viele Tiere schwer krank (über 1.000 Tümmler sind in den letzten Jahren bereits an den Folgen gestorben). Einigen Subpopulationen wie der im Indian-River droht sogar die völlige Auslöschung, da die Delfine dort zusätzlich schwer mit Quecksilber und Antibiotika-resistenten Bakterien belastet sind.

Außerdem sterben immer noch viele Tiere in Fischernetzen oder werden heimlich von Fischern getötet, da sie als Konkurrenten betrachtet werden.

Die Hälfte des Artbestandes ist in Gefahr

Wissenschaftler befürchten, dass womöglich bis zur Hälfte des Artbestandes ausgelöscht werden könnte. Dies wäre eine katastrophale Entwicklung, da Zählungen an den Küsten von Louisiana bis Nordflorida andeuten, dass der Bestand in den letzten 20 Jahren bereits um mehr als 40 Prozent gesunken ist. Es ist daher zu befürchten, dass die Art in 30-40 Jahren in der Natur ausgestorben sein wird.

Delfine im offenen Meer sind nicht in Gefahr

Die Offshore-Tümmler, von denen sich die Küstentümmler vor etwa 500.000 Jahren entwicklungsgeschichtlich trennten und sich auch stark in Genetik, Morphologie, Verhalten, Sozialstruktur, Parasitenbefall und Ernährung unterscheiden, sind anscheinend nicht betroffen.
(Quelle: NOAA und Florida Atlantic University)

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