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Delfine in der Ostsee bald heimisch?


Der in der Ostsee vorkommende Schweinswal wird vielleicht bald sein Alleinstellungsmerkmal verlieren.

Großer Tümmler auf Teneriffa (Foto: Rüdiger Hengl)

Großer Tümmler
(Foto: Rüdiger Hengl)

Bis jetzt ist der kleine Bursche noch der einzige Wal, der an der deutschen Ostseeküste heimisch ist. Doch seit ein paar Monaten haben sich – zumindest vorübergehend – mehrere Delfine in sein Habitat gedrängt.

Delfine sind nicht menschenscheu

Im Frühjahr hatten Delfie und Selfie für Entzücken bei den Flensburgern und Kielern gesorgt. Die beiden Großen Tümmler sind mittlerweile in die dänische Ostsee weitergereist. Zurzeit schwimmt noch Delfin Freddy in der Kieler Bucht.

Freddy scheint äußerst menschenfreundlich zu sein. Er nähert sich den Schwimmern aus eigenen Stücken. Doch dem Großen Tümmler wird auch nachgesagt, dass er möglicherweise zwei Schweinswale getötet haben könnte. Immerhin weiß man von schottischen Delfinen, dass sie durchaus mal ihre kleineren Verwandten angreifen oder sogar töten.

Auch in der Nordsee gibt es vermehrt Delfine

Die Population der Nordsee-Tümmler hat sich offenbar in den letzten Jahren vergrößert. Deshalb können sich der Direktor des Deutschen Meeresmuseums/Stralsund, Harald Benke, und andere Forscher durchaus vorstellen, dass der Große Tümmler die Ostsee ebenfalls langfristig als Lebensraum annehmen kann. Auch gäbe es mit Dorschen und Heringen ausreichend Nahrung für die Delfine.

Doch bislang fehlen die Weibchen. Es wurden nur Männchen beobachtet. Aber ohne Weibchen gibt es nun mal keinen Nachwuchs …
(Quelle: spiegel.online)

4 Kommentare

  1. Der Artbegriff ist in der Biologie nicht unumstritten.
    Weitgehende Übereinstimmung herrscht aber darüber, dass Lebewesen der selben Art angehören, wenn sie zeugungsfähige Nachkommen bekommen können (zumindest theoretisch)

    Allein aufgrund einer eventuellen Variation der Salztoleranz gleich von einer neuen Art zu sprechen, würde ich als Biologe ablehnen. Das wäre in etwa so, als würde man bei uns Menschen jeamnden mit einem anderen Temperaturempfinden oder einer anderen Hautfarbe zu einer anderen Art zählen.

    Allerdings kann solch eine Variation der Beginn einer Artbildung sein, z.B. wenn die Populationen voneinander isoliert werden würde und dann z.B. kein genetischer Austausch zwischen den Ostseesee-Delfinen mit anderen mehr stattfinden würde. Das wäre aber eion Prozess, der mehrere hunderttausend bis millionen Jahre dauern würde.

    geschrieben von Oliver
    1. Es würde mich schon sehr wundern, wenn zwischen den karibischen Großen Tümmlern und den Nordsee/Ostsee-Populationen irgendein Austausch stattfinden würde. Ebenso scheint es zwischen der ortstreuen Küstenform (beiderseits des Atalntik) und der wandernden Hochsee-Form (das sind die 600 kg-Brocken) aufgrund der unterschiedlichen Habitate ebenfalls keinen Austausch zu geben.

      Klar, sehen sich die Karibik-Tümmler, Hochsee-Tümmler und die Nordsee-Tümmler extrem ähnlich – aber das tun Weißwale und Iriwadi-Delfine auch (und die sind nach aktuellem Forschungsstand genetisch maximal weit voneinander entfernt).

      Es wäre daher höchst interessant, ob es Erfahrungen bzw. gesicherte Erkenntnisse gibt, ob die Karibik- und Nordsee-Tümmler tatsächlich in der Lage sind, zeugungsfähige Nachkommen zu produzieren. Wenn dem so sein sollte, muss das wohl in irgendeinem Delfinarium (Haderwijk?) passiert sein – in freier Natur werden sich die Viecher wohl kaum jemals begegnen – 3000 km Freiwasser ist für Küstendelfine absolut unüberwindlich – und die Nordroute entlang der Küsten viel zu kalt.

      Von daher möchte ich meine Frage nach den unterschiedlichen Delfinarten unter dem Sammelbegriff „Großer Tümmler“ aufrecht erhalten:
      Bei welchen Unterarten ist überhaupt eindeutig geklärt, ob fortpflanzungsfähige Nachkommen tatsächlich möglich sind?
      Und ist das wirklich ein taugliches Kriterium?

      Nach meinem Kenntnisstand gibt es da
      – Karibischer Großer Tümmler („Delfinarien“ 250 – 300 kg))
      – Atlantischer Hochsee Großer Tümmler (500 – 600 kg)
      – Nordsee Großer Tümmler (Brackwassertoleranz)
      – Schwarzmeer Großer Tümmler (150 – 200 kg)
      – Indopazifischer Großer Tümmler (150 kg, fleckiger Bauch)

      Die sehen sich alle ziemlich ähnlich, unterscheiden sich im Detail aber doch erheblich. Zudem gibt es meines Wissens keine gesicherten Erkenntnisse, wer von denen mit wem noch fortpflanzungsfähigen Nachwuchs zeugen kann.

      Zuletzt lassen sich auch Große Tümmler und Pilotwale kreuzen – die ganz sicher niemand zu einer Art zählen würde, auch wenn inzwischen wenigstens ein solcher Hybrid schon Nachkommen zur Welt gebracht hat (was durchaus zu einigem wissenschaftlichem Stirnrunzeln führte).

      geschrieben von Norbert
  2. Eigentlich ist ja der Salzgehalt in der Ostsee ja deutlich zu gering für große Tümmler (ortsabhängig unter 2% bis unter 1,0%), aber anscheinend wissen die es nicht und es scheint ihnen auch nichts auszumachen. Oder es gibt bereits angepasste große Tümmler die mit geringeren Salzgehalten klarkommen.

    Die Exemplare in Delfinarien (karibischer Großer Tümmler) bekommen jedenfalls sehr schnell schwere Hautprobleme, wenn der Salzgehalt unter 2% abfällt (die Haut wird weich und wirft Blasen).

    Möglicherweise sind unsere Nordsee-Tümmler genetisch ein wenig anders gestrickt als ihre karibischen Kumpels – was ein Indiz sein dürfte, dass sie früher schon mal in der Ostsee (oder sogar in Flussmündungen) heimisch gewesen sein könnten. Dass die Hochsee-Großen Tümmler (also die zwischen Karibik und Nordsee lebeneden Exemplare) eigentlich schon als eigene Art geführt werden müssten (doppelt so groß, zweite Hämoglobin-Variante für verlängerte Tauchzeiten), ist für Fachbuchleser eigentlich auch kein Geheimnis. Von daher ist es fast sicher, dass sich mindestens 3 Unterarten im Atlantik tummeln, von denen die westlichste wohl eine gewisse Brackwassertoleranz mit sich bringt …

    Die Nordsee (wie der ganze Atlantik) hat jedenfalls einen Salzgehalt von 3,5%, in ordentlich geführten Delfinarien wird ein Salzgehalt von 3,0% eingehalten.

    @ Mitlesende Biologen: Wer kann da genaueres dazu sagen???

    geschrieben von Norbert
  3. Ob es für den immerhin bedrohten Bestand der Schweinswale in der Ostsee so erstrebenswert wäre, wenn sich ausgerechnet nordatlantische Große Tümmler dort ansiedeln? Das könnte manch einen „Tierfreund“ noch in Gewissenskonflikte bringen.

    geschrieben von Dani

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