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Geschmackssinn bei Delfinen


Die Geschmackswahrnehmung ist einer unserer fünf Grundsinne, der uns bei der Entscheidung hilft, was essbar oder nicht genießbar ist.

Flussdelfine
(Foto: Verena Pecsy)

Nur wenige Geschmacksknospen

Die meisten Säugetiere können über Rezeptoren auf der Zungenoberseite fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden – süß, sauer, bitter, salzig und herzhaft (würzig).

Die Zungen von Waltieren haben dagegen eine einfachere Struktur als diejenigen von Landsäugetieren. Sie haben wenige bis gar keine Geschmacksknospen. Die meisten Geschmacksrezeptor-Gene sind bei den Meeressäugern verloren gegangen.

Doch Verhaltenstests zeigen, dass Delfine zumindest Geschmacksrichtungen (z. B. salzig) erkennen können.

Leckermäuler

Einige Delfine in der rehabilitativen Betreuung des Texas Marine Mammal Stranding Networks in Texas/USA haben eine starke Präferenz für bestimmte Fischarten. Man kann also davon ausgehen, dass dabei der Geschmack eine Rolle spielt.

Über Geschmacksprioritäten bei den Delfinen berichtet auch der Nürnberger Tiergarten. Man erfährt dort zum Beispiel, dass jeder Großer Tümmler seine eigenen geschmacklichen Vorlieben hat und dass dementsprechend der Futtereimer mit Makrele, atlantischem Ostseehering, Tintenfisch, Sprotte, Zwergdorsch und Weißfisch gefüllt wird.

Unterschiedliche Meinungen zum Geschmackssinn

Die Geschmackswahrnehmung ist bei Delfinen nicht gut erforscht. Eine Studie ergab jedoch, dass den Meeressäugern wahrscheinlich die funktionellen süßen, herzhaften und bitteren Geschmacksrezeptoren fehlen.

Dies könnte Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben, wenn Delfine unangemessene Gegenstände konsumieren, die nicht Teil ihrer natürlichen Ernährung sind, wie beispielsweise verdorbene Nahrung oder ungenießbare Abfälle.

Die Beobachtungen des Wal-Experten Günther Behrmann gehen da in eine andere Richtung. Er weist darauf hin, dass Delfine häufig das Maul öffnen, um – vermutlich – Geschmackseindrücke aufzunehmen. Außerdem würden Delfine verfaulten Fisch wieder ausspucken. Sie können nämlich über den Trigeminusnerv Ammoniakverbindungen wahrnehmen und sich so vor verdorbenem Futter schützen.

Geschmacksknospen am Zungenrand

Günther Behrmann hat schon etliche tote Delfine und Schweinswale seziert. Dabei hat er herausgefunden, dass viele Papillen mit Geschmacksknospen am Zungenrand (beim Menschen auf der Zunge) sitzen. Die Zunge selbst kann nicht bewegt werden.

Doch auch Behrmann ist der Meinung, dass Geschmacksempfindungen bei der Nahrungsaufnahme bei den Meeressäugern nur eine untergeordnete Rolle spielen, denn sie schlucken ihre Beute mit einem Ruck im Ganzen hinunter.
(Quellen: Texas Marine Mammal Stranding Network und Meeresakrobaten-Beiträge)

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