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Zoos sind die Fenster zur Natur


Wolfgang Rades ist der Artenschutzbeauftragte für Europa im Loro Parque auf Teneriffa, einer der bekanntesten Tierparks der Welt.

Eingang vom Loro Parque
(Foto: Rüdiger Hengl)

Rades ist eigentlich Kriechtierkundler und ein großer Fan von Feuersalamandern. Auf Teneriffa kümmert er sich auch um Papageien und Schwertwale (Orcas).

Interview in der ARD-Audiothek

Der Wissenschaftsjournalist Stephan Hübner hat mit dem Biologen über dessen Arbeit gesprochen.

Ich habe mir das Interview in der ARD-Audiothek angehört und für euch ein paar Ausschnitte daraus zusammengetragen.

Pro und contra Reisen

Um nach Teneriffa zu kommen, muss man zwangsläufig fliegen. Ist es eigentlich noch verantwortungsvoll zu reisen, wenn man an die Klimabelastung denkt? So lautete eine Frage an Wolfgang Rades.

Der Artenschutzbeauftragte denkt nicht gerne in Schwarz-Weiß-Kategorien. Die Wahrheit liegt in der Mitte, meint er.

Den Flugverkehr sieht er in sofern positiv, dass Menschen in Regionen kommen, in denen sie den Artenschutz unterstützen können. Mit den Einnahmen aus dem Tourismus werden zum Beispiel Schutzprojekte in Afrika unterstützt. Außerdem bildet das Reisen und fördert Sozialkontakte.

Aktionismus schadet

Aber auch zoologische Anlagen haben ihre Berechtigung. Sie sensibilisieren die Besucher, sich für die Umwelt einzusetzen. Zoos sind quasi die Fenster zur Natur.

Rades ärgert sich über manche Aktivisten, die den Zoos vorwerfen, keine Tiere auszuwildern.

Der Experte warnt vor übereifrigem Aktionismus. Man kann Tiere nicht beliebig aussetzen und auswildern. Sie müssen in der freien Natur eine reelle Überlebenschance haben.

Vor 20 Jahren noch gegen Orca-Haltung

Auf die umstrittene Orca-Haltung im Loro Parque angesprochen, erzählt Rades aus seiner Vergangenheit. Vor 20 Jahren war er noch für den NABU tätig, erfährt man im Interview. In dieser Zeit sprach er sich gegen die Orca-Haltung aus, weil es für ihn unvorstellbar war, dass so große Meeressäuger in menschlicher Obhut gehalten werden können.

Doch dann machte er sich 2012 vor Ort ein eigenes Bild von der Tierhaltung.

Bereits drei Jahre später war er zoologischer Direktor des Tierparks.

Lob für Nürnberg und Duisburg

Rades konnte im Loro Parque erfahren, wie exzellent sich die Tierpfleger um die Schwertwale kümmern, und wendet sich auch bei diesem Thema gegen das Schwarz-Weiß-Denken.

Man muss die Einrichtungen selbst kennenlernen, dann sieht man den Sachverhalt anders, ist er überzeugt. Auch die Delfinarien in Nürnberg und Duisburg kennt und schätzt der Artenschützer.

Orca kostet eine halbe Million Dollar im Jahr

Nicht überall seien die erforderlichen Dimensionen, wie sie der Loro Parque bietet, gewahrt, gibt Rades zu bedenken. Auch sei die Haltung enorm kostspielig. Eine halbe Million Dollar pro Jahr müsse man pro Orca rechnen.

Die vier Becken im Loro Parque sind abtrennbar und bis zu zwölf Meter tief, erfährt der Zuhörer. Die Tiere schwimmen in Meerwasser aus dem Atlantik, das aufbereitet wird. Außerdem werden sie geistig und körperlich gefordert. Das Edutainment mache den Orcas genauso viel Spaß wie Hunden, hat Rades beobachtet.

Es gibt keine Wildfänge mehr

Ein wichtiger Faktor ist für den Artenschutzbeauftragten auch, dass es schon lange keine Wildfänge mehr gibt und fast alle Orcas in menschlicher Obhut zur Welt kamen. Bei Morgan handele es sich um eine Notaufnahme aus den Niederlanden.

„Wir sind im Pionierstadium.“

Darauf angesprochen, dass im Loro Parque drei Orcas innerhalb kurzer Zeit verstorben sind, sagt Rades: „Wir können nicht leugnen, dass wir im Pionierstadium sind.“

Die Schwertwal-Haltung ist relativ jung. Positiv bewertet er, dass die mittlere Lebenserwartung bei Delfinen inzwischen in einem Zoo diejenige im natürlichen Lebensraum übersteigt. Bei Orcas hält sie sich die Waage.

Es wurde eine externe Arbeitsgruppe eingerichtet, welche die Sterbefälle untersucht.

Rades beteuert, dass die Zootierhalter selbst die größten Kritiker sind und ständig um Haltungsverbesserungen bemüht seien. Allerdings gäbe es auch in dieser Branche schwarze Schafe. Nichtsdestotrotz hält er eine pauschale Verurteilung für falsch.
(Quelle: ARD-Audiothek)

Lesetipps

* Wolfgang Rades Kommentar zum Loro Parque
* Reisebericht über Teneriffa von 2014
* Über die Orca-Haltung auf Teneriffa
* Auf der Insel der Glückseligen

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