Vor Kurzem habe ich in meinem Beitrag Orcas sind sehr geschwätzig geschrieben, dass Wale verstummen, wenn der Unterwasserlärm zu groß ist.
Doch es gibt auch Wale, die gegen den Lärm regelrecht anschreien. Dazu gehören die Langflossen-Grindwale, die in der Straße von Gibraltar leben.
Dieses Phänomen wurde in einer von Frants Jensen und Milou Hegeman (dänische Universität Aarhus) durchgeführten Studie aufgedeckt.
60.000 Schiffe verursachen hohen Lärmpegel
Bei 60.000 Schiffen, die jährlich die schmale Meerenge zwischen Atlantik und Mittelmeer passieren, sind die Grindwale Lärmpegeln zwischen 79 und 144 Dezibel ausgesetzt.
In dieser Region unterwegs sind Frachter, Fähren, Fischereifahrzeuge und Freizeitboote.
Die Population ist stark geschrumpft
Nur noch 250 Grindwale leben in der Straße von Gibraltar. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Population stark geschrumpft. Viele der Tiere sind krank geworden.
Aufzeichnungsgeräte brachten wichtige Ergebnisse
23 Grindwale wurden zwischen 2012 und 2015 mit Sendern ausgestattet. Diese wurden mit Saugnäpfen an ihren Körpern befestigt. Mit den Geräten wurden Bewegungen, die Tauchtiefe und vor allem Geräusche aufgezeichnet. Nach 24 Stunden lösten sich die Aufzeichnungsgeräte und konnten an der Wasseroberfläche eingesammelt werden.
1.432 Walrufe konnten auf diese Weise analysiert werden. Die Grindwale stießen unter anderem lange Rufe in sehr tiefen Frequenzen aus.
Bei starkem Schiffslärm hörten die Grindwale, die sich in tiefer Frequenz miteinander unterhielten, kurzzeitig auf zu kommunizieren. Sie warteten, bis das Schiff sich wieder entfernt hatte, und begannen dann wieder zu rufen.
Lombard-Effekt
Kommunizierten die Wale bei großem Schiffslärm in höherer Frequenz, erhöhte sich auch die Lautstärke ihrer Rufe.
Man nennt dieses Phänomen in der Wissenschaft den „Lombard-Effekt“. Er besagt, dass ein Sprecher bei Vorhandensein von Hintergrundgeräuschen seine Lautstärke und meist auch seine Tonlage erhöht.
(Quellen: science.orf.at und geo.de)

