Nicht nur Buckelwal Hope (Timmy) hat sich außerhalb seines eigentlich Habitats bewegt, sondern es gibt viele andere Beispiele für Meeressäuger, die fernab ihrer eigentlichen Heimat aufkreuzen.
Verbreitungsverschiebungen
So gab und gibt es Arktische Walrosse in europäischen Gewässern, Wale in der Themse und Seine, einen Großen Tümmler in der Lagune von Venedig, Belugas an der Nordseeküste – oder sogar im Rhein.
Unfreiwilliger Besuch im Rhein
Einigen von euch ist vielleicht noch der Beluga Moby Dick in Erinnerung, der im Mai 1966 – also vor 60 Jahren – im Rhein bei Duisburg gesichtet wurde.
In den Zeitungen war zu lesen, dass der Beluga ursprünglich in einen Zoo nach England gebracht werden sollte. Bei einem Orkan wurde er jedoch von einem Transportschiff in die Nordsee gespült. Von dort aus gelangte er über den Hafen von Rotterdam in den Rhein.
Moby Dick hielt sich einen Monat lang 300 Kilometer entfernt vom Meer und Tausende Kilometer entfernt vom üblichen Lebensraum der Belugawale, den arktischen und subarktischen Gewässern, auf. So plötzlich wie er aufgetaucht war, war er auch wieder verschwunden. Es ist nicht bekannt, ob er gestorben oder zu seinen Artgenossen in die Polarregion geschwommen ist.
„Out-of-Habitat“-Ereignisse sind bei 42 Arten bekannt
In einer Studie, die sogenannte „Out-of-Habitat“-Ereignisse bei Meeressäugern dokumentiert, werden 42 verschiedene Arten aufgeführt. Diese kommen außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets vor oder befinden sich in ihrer Heimat unter ungünstigen Bedingungen.
42 Arten entsprechen ungefähr einem Drittel aller 129 bekannten Wal- und Robbenarten.
Laut den Forschern der Studie ist der Klimawandel wahrscheinlich zentraler Treiber dafür, dass die Tiere aus ihrem eigentlichen Lebensraum abwandern.
Behörden und Rettungsnetzwerke sind überfordert
Werden Wale in seichten Gewässern angetroffen, sind lokale Behörden oder Rettungsnetzwerke oft überfordert. Neben Fachwissen braucht es klare Abläufe, Ressourcen und Training, auch im Umgang mit möglichen Konflikten zwischen Mensch und Tier.
Schritte für Rettungsstrategien
Die Meeresschutzorganisation OceanCare fordert folgende Schritte, um „Out-of-Habitat“-Ereignisse stärker in Schutz-, Forschungs- und Rettungsstrategien einzubeziehen:
*** bessere internationale Erfassung solcher Fälle
*** klare Protokolle für Rettungseinsätze
*** stärkere Unterstützung von regionalen Rettungsnetzwerken
*** konsequente Reduktion der Treibhausgasemissionen als wichtigste Maßnahme zur Eindämmung der globalen Erwärmung
(Quellen: OceanCare und An Investigation into How Marine Mammal Distribution Is Being Affected by Climate Change, with a Focus on out of Habitat Marine Mammals, Based on Expert Opinion)
Lesetipps
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