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Färöer Inseln: Zwischen tödlicher Tradition und hoffnungsvollem Aufbruch


Sasha Abdolmajid ist Delfinschützer und Kenner der Färöer Inseln. In einem Artikel im Digital Journal gibt er seine aktuellen Beobachtungen zum Grindwal-Fang auf den Färöer Inseln wieder.

Getöteter Grindwal (Foto: Hans Peter Roth)

Getöteter Grindwal (Foto: Hans Peter Roth)

1.534 Delfine (Langflossen-Grindwale und Weißseitendelfine) wurden bis Mitte November auf den Färöer Inseln geschlachtet. Ein harter Schlag für Tierschützer, doch es gibt trotzdem Grund zur Hoffnung.

Die erste Schlachtung in diesem Jahr fand am 21. Juli 2013 statt. 125 Grindwale wurden in die Bucht von Viðvík getrieben und dort getötet. Doch am 30. Juli kam es noch schlimmer. An diesem Tag mussten 267 Meeressäuger in Fuglafjørður ihr Leben lassen. Es war die größte Schlachtung seit acht Jahren!

Fleisch ist stark belastet

Zur gleichen Zeit warnte Dr. Pál Weihe vom öffentlichen Gesundheitsdienst die Färöer Bevölkerung vor dem Verzehr von Grindwalfleisch. Wie schon lange bekannt und von ihm untersucht, ist das Fleisch stark mit Quecksilber und anderen Umweltstoffen belastet. Die Gifte können unterschiedliche Krankheiten begünstigen. Zum Glück finden Weihes Warnungen Gehör – vor allem bei jungen und schwangeren Frauen. Kleine Kinder wissen inzwischen gar nicht mehr, wie Walfleisch schmneckt.

Ein blutiger Tag für Grindwale und Weißseitendelfine

Doch die Jagd auf Grindwale, die sich nahe der 23 für die Schlachtung zugelassenen Buchten aufhalten, scheint unvermindert weiterzugehen. So war der 13. August wieder ein sehr blutiger Tag sowohl für Grindwale als auch für Weißseitendelfine. Zunächst wurden 135 Grindwale (die wegen ihres Gruppenverhaltens auch Pilotwale genannt werden), in der Nähe des Fischerortes Husavik getötet.

Am gleichen Morgen entdeckten Fischer eine Gruppe Meeressäuger, die aus Grindwalen und einer undefinierbaren Delfinart bestand, im südlichsten Gebiet der Färöer Inseln bei Suðuroy. Bis zum Abend hatten Einwohner der Region Hvalba sowie der umliegenden Gemeinden 430 Weißseitendelfine getötet. So hatten insgesamt 565 Meeressäuger allein an diesem Sommertag ihr Leben gelassen.

Produkte aus Walfleisch/LWL Münster (Foto: Rüdiger Hengl)

Produkte aus Walfleisch/LWL Münster
(Foto: Rüdiger Hengl)

Warum so viele?

Warum nur werden immer noch so viele Grindwale und andere Delfine getötet, fragen sich vor allem Tierschützer. So viel Fleisch kann doch gar nicht verzehrt werden … Es soll ja ausschließlich für den persönlichen Konsum bestimmt sein.

Es gibt von denjenigen Erklärungen dafür, die sich auch heute noch für den „Grindadrap“ (so heißt die Jagd auf Grindwale und andere Delfinarten) einsetzen: Die Färöer sind seit jeher ein isolierter Völkerstamm, der vielen Widrigkeiten getrotzt hat. Den Hunger aus lang vergangenen Zeiten stillten die Inselbewohner mit Grindwalfleisch. Diese Jagd-Kultur hat bis heute überlebt.

Da Grindwalen ein stark ausgeprägtes Sozialleben führen, ist es ein Leichtes, gleich eine ganze Schule dieser Meeressäuger umzubringen. Die Tiere schwimmen nämlich immer im Verband. Dieses soziale Schutzverhalten ist zugleich ihr Verderben.

Moderne Jagd

Heute läuft der Fang ganz anders ab als damals. Mit PS-starken Booten und Jet-Skis werden die Tiere in eine Bucht getrieben, wo sie mit einer Art Lanze getötet werden. Dabei wird ihnen sowohl der Hals als auch die Hauptschlagader durchtrennt. Doch dem Sterben geht ein langes Leiden voraus.

Die Jäger beteuern, dass die Jagd moralisch vertretbar sei. Anders als Masttiere würden Grindwale bis zuletzt ein freies Leben führen.

Ein Reich der Gegensätze

Die Färöer Inseln haben den Ruf, durch ihre natürliche Schönheit und Reinheit zu glänzen. Da scheint der Delfinfang überhaupt nicht hinzupassen. Die Einwohner sind durch ihre Gastfreundschaft und ihr offenes und geselliges Wesen bekannt.

Genau hier muss das Ende der Grindwal-Jagd ansetzen – in Gesprächen mit den Einwohnern, unter denen sich mittlerweile auch viele Jagdgegner befinden. Auch der Ökotourismus bietet eine große Chance, vom Walfang abzurücken.

Die Zukunft hat begonnen

Erst vor kurzem hat der Apotheker Jónrit Halling 200 erwachsene Färöer zu ihrem Essverhalten befragt. Nur 17 Prozent gaben an, mehr als einmal im Monat Grindwal-Fleisch zu konsumieren. Fast die Hälfte (47 Prozent) beteuerte, nur sehr wenig oder gar kein Grindwal-Fleisch zu essen. Unter den Befragten war nicht eine einzige Frau unter 40, die sich von Grindwalprodukten ernährt.

Die Umweltjournalistin Helene Hesselager-O’Barry ist sich sicher, dass durch die starke Belastung des Fleisches bald keiner mehr Appetit auf Grindwale haben wird.
(Quelle: Op-Ed: Faroe Islands – Between lethal tradition and awakening)

Mehr zum Thema

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* Warum die Pinger-Aktion von Pro Wal nichts bringt
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2 Kommentare

  1. @Rüdiger:
    Das sehe ich ein wenig anders.
    Ein gewisser Druck von Außen muss schon sein, aber dieser muss sachlich begründet und ohne Anfeindungen vorgetragen werden. Solange die Abschlachtung der Wale nicht als Belastung empfunden wird, werden sich die "Traditionalisten" immer durchsetzen. Von daher ist es meines Erachtens durchaus erforderlich, das Thema auf der Tagesordnung zu halten, damit die Befürworter unter Rechtfertigungsdruck bleiben. Und da es eigentlich keine stichhaltigen Rechtfertigungen für dieses Gemetzel mehr gibt, sollten dann auch die Konsequenzen folgen.

    Wir dürften uns aber einig sein, dass die geifernden und im Ton oftmals vollkommen unangemessenen Anfeindungen sogenannter "Delfinschützer" in keiner Weise hilfreich sind.

    geschrieben von Norbert
  2. Das Thema „Grindarap“ muss auf den Färöern selbst behandelt werden. Alle Kritik von außen, insbesondere die Abstemplung der Färinger als wildes Wikingervolk, ist meiner Meinung nach nur kontraproduktiv. Ich nehme an, dass kaum einer, der über die Färinger herzieht, jemals dort war und sich selbst ein Bild gemacht hat. Lernt die Menschen kennen, bevor ihr sie verurteilt! Wie wär’s also mit einer Kreuzfahrt dorthin?

    geschrieben von Rüdiger

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