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Die Schallkanone der Pottwale


Auch wenn Pottwale keine Delfine sind, sondern nur wie diese zu der Gruppe der Zahnwale zählen, möchte ich noch einen weiteren Exkurs in die Welt dieser riesigen Raubtiere wagen.

Ganz nah ... (Foto: WhalewatchGenova)

Ganz nah …
(Foto: WhalewatchGenova)

Mein grandioses Erlebnis vom 30. August mit zahlreichen Pottwalen im Ligurischen Meer wirkt immer noch in mir nach. Daher möchte ich die Meeresakrobaten-Besucher nicht nur an meinen Eindrücken teilhaben lassen, sondern sie außerdem ein wenig über die Anatomie (Entstehung und Gebrauch der Klick-Laute) der „Moby Dicks“ informieren.

Lauter als ein Gewehrschuss

Mit weit über 200 Dezibel erzeugt der Pottwal die lautesten Vokalisationen im Tierreich. Das ist lauter als ein Gewehrschuss aus 1 Meter Entfernung. Mit seinen Klicks spürt er über die Echolokation Kalmare in der Tiefsee auf.

Wie bereits im Meeresakrobaten-Beitrag vom 9. September 2015 erläutert, setzen Pottwale ihre Klick-Salven jedoch nicht nur zur Ortung ihrer Beute ein, sondern sie kommunizieren auch über Klicks. Verschiedene Pottwal-Gruppen (Clans) verwenden dabei unterschiedliche „Dialekte“, die den Zusammenhalt der Gruppe gewährleisten.

Neues Modell

Die Zoologen Stefan Huggenberger und Helmut Oelschläger haben in der September-Ausgabe von „Spektrum der Wissenschaft“ ein neues Modell der Pottwal-Nase vorgestellt. Auch dort kann man erfahren, dass Pottwale zwei Typen von Lauten hervorbringen: die außerordentlich lauten Echoortungs-Klicks, mit denen sie ihre Beute aufspüren, sowie schwächere Klick-Laute, die der Kommunikation dienen.

Unterschiedliche Theorien

Darüber, wie die Klicks entstehen, gibt es unterschiedliche Theorien. Ich empfehle dazu nicht nur die Lektüre des oben genannten Magazins, sondern auch das Fachbuch über Pottwale von Andrea und Wilfried Steffen: „Wale hautnah“. Dort werden im Kapitel „Ferngespräche“ unterschiedliche Theorien vorgestellt.

Zwei Nasengänge

Eines ist jedoch für alle Forscher und Wal-Experten eindeutig: Die Klicks der Pottwale werden im rechten Nasengang des riesigen Schädels gebildet.

Der linke Nasengang dient der Atmung. Stößt der Pottwal verbrauchte Atemluft aus, so entweicht sie in einem um 45 Grad nach links versetztem Blas das Atemloch.

Blas eines Pottwals (Foto: Susanne Gugeler)

Blas eines Pottwals
(Foto: Susanne Gugeler)

An ihrem Blas kann man Pottwale auch sehr gut erkennen und von anderen Großwalen unterscheiden, bei denen die Fontäne meist senkrecht in die Luft geblasen wird.

Günther Behrmann

Auch der Wal-Experte Günther Behrmann (langjähriger Berater der Meeresakrobaten) hat sich mit der Anatomie der Pottwal-Nase auseinandergesetzt. Du findest eine Abhandlung von ihm in der Technischen Informationsbibliothek.

Lesetipp

Pottwal-Skelett

8 Kommentare

  1. Hallo Norbert, vielen Dank für deinen Kommentar.
    Dazu habe ich nun ein paar Korrekturen anzubringen. ;o):

    Pottwale kann man schon von weitem erkennen, weil sie ihren Blas links versetzt ausstoßen. Das Blasloch sitzt auch nicht mittig wie bei anderen Walen, sondern befindet sich an der äußersten Nasenspitze ganz vorne links. Von anderen Walen ist mir das nicht bekannt. Gerade bei meinen aktuellen Beobachtungen im Ligurischen Meer war das sehr deutlich zu sehen. Bei den Finnwalen, die ich auch schon in dieser Gegend beobachtet habe, entweicht der Blas mittig. Dass das Gemisch aus verbrauchter Luft und Meerwasser das Atemloch nicht wie ein Wasserstrahl kerzengerade nach oben verlässt, ist schon klar. Bei den einen Walen sieht der Blas buschig aus, bei den anderen reicht er in eine Höhe von bis zu zwölf Metern. Um das ging es mir hier gar nicht, sondern nur darum, dass die verbrauchte Atemluft beim Pottwal das Blasloch um 45 Grad nach links versetzt verlässt und damit ein sehr gutes Erkennungszeichen für diese Art ist.

    Dass Pottwale nur im Unterkiefer Zähne haben (wie du schreibst), hat man lange geglaubt, ist aber bereits seit vielen Jahren widerlegt. Siehe dazu auch die Meeresakrobaten-Berichte
    http://www.meeresakrobaten.de/delfine/anatomie/auf-den-zahn-gefuhlt/2/
    und
    http://www.meeresakrobaten.de/2015/08/der-pottwal-von-baltrum/
    Zitat: „Der Pottwal von Baltrum hatte übrigens 42 Zähne im Unterkiefer und 10 Zähne im Oberkiefer.“
    Auf einem Foto im letztgenannten Beitrag sieht man auch das eine (!) (plastinierte) Blasloch des Pottwals sehr gut.

    Ich habe zu Hause einen Original-Zahn eines Pottwals aus dem Oberkiefer …

    Das mit dem Auftrieb ist auch schon lange infrage gestellt, Norbert.
    Hier zitiere ich die Pottwal-Experten Andrea und Wilfried Steffen („Wale hautnah“ Seite 115):
    „Weitverbreitet ist leider immer noch die Hypothese des Forschers Malcom R. Clarke, dass dieses Organ (gemeint ist das Spermacetiorgan) für den Auf- und Abtrieb des Wales beim Tauchen, durch Kühlung und Erwärmung des Spermacetiöls verantwortlich sein könnte. Diese Hypothese ist jedoch nicht nur sehr umstritten, sondern sie wurde auch Monate später nach Erscheinen der Publikation schon widerlegt. Berechnungen haben ergeben, dass sich der Ab- und Auftrieb der festen oder flüssigen Form des Öls in sehr engen Grenzen hält und die Wirkung somit nicht ausreicht, um den Wal zu bewegen. Auch nach unseren eigenen Beobachtungen der Tauchgänge der Pottwale, deren Abtauchen und Sinkgeschwindigkeit sowie unsere eigenen Berechnungen ist der Auf- und Abtrieb dafür nicht ausreichend. Alleine schon dadurch, dass sich die weiblichen Pottwale ganzjährig in wärmeren Gewässern aufhalten, deren Temperatur zwischen 20 und 27 Grad beträgt, sind sie somit nicht in der Lage, durch ihre Einatemluft oder das sie umgebende Wasser das Spermacetiöl zu einer verfestigten Masse für den Abtrieb herunterzukühlen.“

    Dem Pottwal wurde inzwischen (seit 2014) auch der Rang des am tiefsten tauchenden Wales abgelaufen. Und zwar von den Cuvier-Schnabelwalen, (die ja kein Spermacetiorgan haben).
    http://www.meeresakrobaten.de/2014/03/schnabelwal-taucht-am-tiefsten/
    http://www.tagesspiegel.de/wissen/ueber-zwei-stunden-unter-wasser-rekord-cuvier-schnabelwale-tauchen-fast-drei-kilometer-tief/9675026.html

    geschrieben von Susanne
    1. Mag ja sein: Aber *alle* Bartenwale haben zwei eng beieinander liegende Nasenlöcher und der Pottwal hat ebenfalls zwei Nasenöffnungen – von denen – aus welchem Grund auch immer – nur eines zum Atmen benutzt wird.

      Nur die eigentlichen Zahnwale (einschließlich Narwale, Delfine und Orcas) haben ein einfaches, mittiges Blasloch.

      Allein von daher ist der Blas der Großwale (Orcas als typische Zahnwale ausgenommen) immer mehr oder weniger breit bzw. V-förmig. Und dass die Pottwale schräg seitlich blasen habe ich ja auch nicht bestritten.

      Gut, dass die Theorie mit dem Spermacetiorgan inzwischen wohl als überholt angesehen werden kann, wusste ich nicht – aber man lernt ja nicht aus.

      Ist eigentlich irgendwas bekannt, was die Pottwale nun mit ihrem zweiten Nasenloch so anstellen?

      geschrieben von Norbert
      1. Der rechte Nasengang dient der Vokalisation. Falls du Genaueres wissen willst, Norbert, empfehle ich dir die oben angegebenen Theorie-Quellen. Es gibt noch keine einheitliche Erkenntnis.

        geschrieben von Susanne
      2. Sorry, das ist nicht ganz präzise.
        Alle Zahnwale – auch die Physeterididae – haben ein äußeres Blasloch. Die knöchernen (inneren) Nasenöffnungen sind paarig.

        Die Form des Blas ist nur bei Glattwalen deutlich V-förmig, bei Furchenwalen mittig und mehr oder weniger buschig.
        Pottis blasen nach vorn-seitlich.
        Kleinere Zahnwale blasen eher buschig, sofern man es überhaupt sieht.

        geschrieben von Bettina Wurche
  2. Kleine Korrektur: Einen senkrechten Blas haben nur Zahnwale/Delfine (Kennzeichen: 1 Blasloch). Alle Bartenwale (und damit bis auf den Orca alle Großwale) besitzen zwei Blaslöcher und damit einen mehr oder weniger V-förmigen Blas.

    Die Pottwale (die eine eigene Gruppe bilden) haben zwar auch zwei Blaslöcher, nutzen aber nur das linke zum Atmen. Sie unterscheiden sich von den eigentlichen Zahnwalen (und Delfinen) zusätzlich dadurch, dass sie nur im Unterkiefer Zähne haben.
    Das rechte „Blasloch“ nutzen die vermutlich dazu, um das im Schädel vorhandene Öl durch kaltes Wasser erstarren zu lasssen, wodurch sie einen negative Auftrieb bekommen und damit ohne Muskeleinsatz (Sauerstoffverbrauch!) abtauchen können. Im Verlauf des Tauchgangs erwärmt sich das Wachs durch das warme Blut wieder und sorgt als Öl für Auftrieb, wodurch auch das Auftauchen weitgehend ohne Muskeleinsatz geschieht.

    Dies ist momentan eine der einleuchtendsten Erklärungen warum Pottwale solche aberwitzigen Tauchzeiten (bis 60 min) und Tauchtiefen (bis 3000 m) erreichen können.

    geschrieben von Norbert
    1. Kleine Ergänzung: Ich sehe mittlerweile bei immer mehr Pottwalskeletten auch im Oberkiefer Zähne. Die sind kleiner und stecken scheußlich tief im Kiefer, sind also auch sehr schwierig zu präparieren. Das Mantra, dass Pottis keine Zähne im Oberkiefer mehr haben, hat offenbar sehr viele Ausnahmen.
      Besonders viele Zähne im Oberkiefer hat das ausgezeichnet präparierte Skelett in Gram (Dänemark), gegenüber des Schlosses. Gram ist ohnein eine Reise wert, denn dort gibt es ein Museum mit fossilen Walen, u. a. Pottwal.

      geschrieben von Bettina Wurche
    2. Ergänzung: Dieser ganze Pottwal-Kopf ist eine komplexe Angelegenheit. Ich finde, dass Stefan Huggenberger und Helmut Oelschläger das in Spektrum d Wissenschaft Sept. gut erklärt hat.
      Stefan hat seine Doktorarbeit darüber geschrieben, zufällig war ich beim Segmentieren eine Potti-Baby-Kopfes dabei. Ausgesprochen spannend!

      geschrieben von Bettina Wurche
    3. Das war die alte Theorie, die jetzt wohl allmählich ad acta gelegt wird.
      Schnabelwale haben noch größere Tauchtiefen und längere Tauchgänge als Pottis. Ihre Fette in der Melone sind den Pottis recht ähnlich, ihre Nasengänge sind aber zumindest bishe rnoch nicht als sooo seltsam beschrieben worden. Auch wenn die Schädel ganz anders sind, als etwa Delphinschädel.

      geschrieben von Bettina Wurche

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