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Orcas in GB sterben aus


Wegen der hohen PCB-Verschmutzung der Gewässer droht den Orcas (auch Schwertwale genannt) vor der Küste Großbritanniens das Aus.

Die Orca-Oma ist der Boss. (Foto: Susanne Gugeler)

Immer weniger Orcas …
(Foto: Susanne Gugeler)

Zwar wurden PCB (polychlorierte Biphenyle) in den 1980er-Jahren verboten, doch noch immer werden diese gefährlichen Stoffe in der Atmosphäre, in der Erde und im Wasser nachgewiesen.

Delfine in Europa sind stark belastet

Sehr hohe Konzentrationen an PCB wurde in der Fettschicht (Blubber) von europäischen Delfinen gefunden. Ihre Populationen werden immer kleiner, weil PCB die Fortpflanzung und das Immunsystem beeinflussen.

Großbritanniens Küste am meisten betroffen

In einer Studie, die von Paul Jepson von der Zoological Society of London (ZSL) und seinen Kollegen durchgeführt worden war, wurde herausgefunden, dass die Konzentration von PCB an der Küste von Großbritannien wahrscheinlich am höchsten ist.

Bis in die 1960er-Jahre gab es Orcas in der Nordsee und bis in die 1980er-Jahre im Mittelmeer. Dann begann die Industrie mit dem Ableiten von PCB-haltigen Stoffen ins Meer, und die Delfin-Populationen wurden immer kleiner.

Vielfacher Einsatz von PCB

PCB wurden in den 1980er-Jahren z.B. eingesetzt:
* in Kühl- und Isoliermitteln in der Elektroindustrie
* in Hydraulikflüssigkeit in der Maschinenindustrie oder
* als Weichmacher und Brandverzögerer in Kunststoffen, Lacken oder Klebstoffen.

PCB gelten als giftig und krebsauslösend.

Population besteht nur noch aus 8 Tieren!

In Nord-West-Schottland lebt die letzte ortstreue Orca-Gruppe der Nordsee. Sie besteht gerade einmal aus acht Tieren. In einem Beobachtungszeitraum von 19 Jahren wurde kein einziges Jungtier gesehen. Vor kurzem verstarb das Orca-Weibchen Lulu.

„Diese Gruppe wird aussterben.“ Da ist sich Jepson sicher.

Die 36 ortstreuen Orcas, die vor Gibraltar leben, sind ebenfalls vom Aussterben bedroht, warnt Jepson. Sie haben sich auf den Fang von Thunfischen spezialisiert. Auch Thunfische sind bekanntermaßen stark mit Umweltgiften belastet.

Keine Jungtiere mehr

Nicht nur in der Fettschicht, sondern auch in der Milch von Delfin-Weibchen wurden PCB gefunden. Die Jungtiere nehmen über die Milch den Giftstoff auf …

Eine Gruppe von ortstreuen Großen Tümmlern wurde in Portugal über 40 Jahre lang studiert. Seit mehr als einem Jahrzehnt wurden kein einziges Jungtier registriert.

Trotz Verbots gibt es überall PCB

Obwohl PCB bereits seit über 30 Jahren verboten ist, befindet es sich immer noch an Land und in Gewässern. PCB-haltiger Schlamm wird oft bei Grabungen durch Bagger wieder an die Oberfläche gebracht. „Es ist sehr schwierig, PCB unschädlich zu machen“, sagt Jepson.

Nicola Hodgins von der Whale and Dolphin Conservation nennt PCB einen „stillen Killer“, der nicht nur Einzeltiere beeinflusst, sondern ganze Populationen zum Aussterben bringen kann.
(Quellen: welt.de und theguardian.com)

5 Kommentare

  1. Was mir bei den Diskussionen auf den Seíten der Meeresakrobaten generell auffällt, sind die Fachkompetenz der Autoren und auch der Kommentatoren sowie das hohe wissenschaftliche und auch sprachliche Niveau, welches ich auf Seiten vieler sogenannter „Tierschutzorganisationen“ bisher vergeblich suche.

    Deshalb weiß ich, wo ICH, wenn ich seriös informiert werden will, meine Informationen her hole.

    Danke an Susanne für 15 Jahre wertvolle Informationen.

    geschrieben von Rüdiger
  2. @Norbert: Der Ernährungszustand von Wale wird bei der Autopsie und auch bei Sichtungen überprüft. Bei der Autopsie wird neben Mageninhalt auch die Dicke des Blubbers gemessen. Mir ist nichts davon bekannt, dass Orcas in den fischreichen Gewässern um Schottland herum am Verhungern sind. Diese Orcas leben nicht in der Nordsee, sondern haben ihren Lebensschwerpunkt vor den Hebriden und ziehen von dort aus bis vor Irland.
    Der Autor der Studie zu dem PCB ist der erfahrene Veterinär Paul Jepson, der seit Jahrzehnten auf die Untersuchung von Walen spezialisiert ist. Wenn er schreibt, dass ihm ein hoher PCB-Gehalt aufgefallen ist, nicht aber den mangelhaften Ernährungszustand anmahnt, dann nehme ich ihm das ab.

    Von einer Orca-Population in der Nordsee habe ich noch nie gehört, die ist schon lange zu leer. Die Gibraltar-Orcas jagen vor allem Thunfisch, dessen Bestand natürlich nicht mehr so dolle ist. Gleichzeitig ziehen einige von ihnen bis vor die Kanarischen Inseln, vielleicht finden sie dort mehr. Oder sie stellen ihre Ernährung bald um. Das bleibt abzuwarten.

    Hier ist eine Übersichtsarbeit zu den Orcas des Nordatlantiks: Die wegen des PCBs zum Aussterben bedrohte Orca-Population besteht aus einer einzigen Familiengruppe, den Residents in Schottischen Gewässern.
    Andy Foote et al 2014 in “The killer whales of the North Atlantic”.

    geschrieben von Bettina Wurche
    1. @Bettina:
      Ich bestreite keineswegs, dass die PCB-Belastung viel zu hoch ist, und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Fortpflanzungsfähigkeit der Orcas beeinträchtigt.

      Nach meinem Wissen kann aber die Dicke der Blubberschicht bei wild lebenden Orcas nur post mortem gemessen werden, da die Tiere kaum bei einer Ultraschalluntersuchung mitmachen werden und Biopsien mit einer Entnahmetiefe von über 20 cm eine zu schwere Verletzung verursachen würden.
      Mir ist auch nichts bekannt, dass Orca-Kadaver aus den angesprochenen Populationen geborgen und untersucht wurden. Von daher kann Paul Jepsen kaum eine belastbare Aussage über den Ernährungszustand der Tiere machen, weswegen wohl auch nichts davon in seiner Untersuchung steht.

      Was derzeit noch ebenfalls weitgehende Spekulation sein dürfte, ist die „Hungerschwelle“, ab der Orcas keinen Nachwuchs mehr bekommen bzw. erfolgreich groß ziehen (können). Diese kann durchaus so liegen, dass die Tiere an diesem Punkt noch nicht auffällig unterernährt sind. Eventuell reicht es auch schon aus, wenn das Futterangebot (zu) stark fluktuiert, weil sich die Futterfische auf einige wenige (wenn auch große) Schwärme beschränken. Oder wenn bestimmte Futtertiere fehlen (Mangel an speziellen Nährstoffen oder Mineralien / zu einseitige Ernährung), selbst wenn diese nicht die primäre Nahrungsquelle der Orcas darstellen.

      Aus Delfinarien weiss man aus schmerzlicher Erfahrung, dass relativ unauffällige Faktoren durchaus ausreichen können, um eine erfolgreiche Nachzucht zu verhindern. Auch füttert man in Delfinarien immer mehrere Fischarten (unterschiedlicher Fettgehalt usw.) und zusätzlich eine breite Palette an Vitaminen und Mineralstoffen. Die Ernährung mit nur einer Fischart führt fast unweigerlich zu Mangelerscheinungen und Erkrankungen.

      Von daher halte ich es zumindest für bedenklich, wenn der ausbleibende Nachwuchs bei den beobachteten Populationen weitgehend monokausal (zumindest liest sich für mich der Bericht so) am Faktor „PCB“ festzumachen.
      Das Gefährliche an der Aussage „PCB ist schuld“ ist nach meiner Meinig eben, dass dies ein Faktor ist, den die Politik momentan nicht wirklich beeinflussen kann und daher keinen Handlungsbedarf sieht.

      Die Wissenschaft geht übringens unverändert davon aus, dass die maritimen Fischbestände (auch im Nordatlantik) bis spätestens 2048 kollabiert sein werden. Das heißt nicht, dass es dann gar keine Fische mehr gibt (einige, wohl vor allem kleine Arten mit kurzen Fortpflanzungszyklen könnten sich dann sogar explosionsartig vermehren), aber die Folgen wären speziell für Meeressäuger (und ebenso für Haie und andere Raubfische) katastrophal.
      (siehe auch: http://tiergarten.nuernberg.de/zoowissen-co/arten-und-naturschutz/deadline-2048.html)

      geschrieben von Norbert
  3. Ich finde es immer problematisch, wenn man versucht, solche Beobachtungen öffentlichkeitswirksam an einer Ursache (hier: „PCB“) festzumachen. Und wenn man dann noch zum Schluss kommt, daran könne man eigentlich nichts ändern, dann sollte man sich überlegen, was eigentlich verschleiert werden soll.

    Kann es nicht auch sein, dass die angeführten Orca-Populationen (auch) schlicht unter Futtermangel leiden? Sowohl die Nordsee, als auch die Gegend um Gibraltar sind bekanntlich massiv überfischt – was noch stärker für den Thunfisch gilt, der im Mittelmeer kurz vor der Ausrottung steht. In dem Zusammenhang auch vielen Dank auch an die Japanischen Fangflotten, die Thunfische bevorzugt *vor* dem Ablaichen fangen, weil sie dann „besseres“ Fleisch haben sollen.

    Aber PCB ist ja so ein bequemer Schuldenbock, weil man daran ja im Moment nichts mehr ändern kann …

    Einschränkungen der kommerziellen Fischerei birgt dagegen immer eine Menge Ärger – und das will man als Politiker ja unbedingt vermeiden. *Sarkasmus aus*

    geschrieben von Norbert
  4. Ich wundere mich über die Aussage „Obwohl PCB bereits seit über 30 Jahren verboten ist, befindet es sich immer noch an Land und in Gewässern.“

    30 Jahre sind nichts! Wir sollten uns VORHER überlegen, was wir produzieren und in die Welt setzen. Möchte nicht wissen, was das von uns als Hype angesetzte „Carbon“ und das darin oft verwendete Epoxidharz uns noch alles bringt.

    Epoxiharz enthält u.a. Bisphenol A. (nun ein Zitat aus Wikipedia): „Das ist von gesundheitlicher Relevanz, da zwar die polymeren Endprodukte selbst biologisch weitgehend inert sind, aus ihnen allerdings der Ausgangsstoff BPA (Anmerkung: Bisphenol A) unter Umständen wieder freigesetzt wird und dann gesundheitliche Schäden verursachen kann.“

    Noch zwei Zitate aus Wikipedia:

    In 89 Prozent der Urinproben (Anmerkung: von Männern) wurde BPA (Anmerkung: Bisphenol A) gefunden.

    Bei Männern, die über hohe BPA-(Anmerkung: Bisphenol A)-Konzentrationen verfügten, konnte man unter anderem eine 23 Prozent geringere Samenkonzentration sowie rund 10 Prozent mehr DNA-Schäden feststellen. Die Werte der Probanden, bei denen nur geringe oder keine BPA-Spuren vorhanden waren, waren deutlich besser.

    Aus meiner Sicht steuern wir sehenden Auges auf unsere Ausrottung hin.

    geschrieben von Rüdiger

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