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Neues Schweinswal-Warngerät wird erprobt


Vorgestern ist das Fischereiforschungsschiff Clupea von Kiel aus zu einer zweiwöchigen Forschungsfahrt in die Dänische Beltsee ausgelaufen, um ein neuartiges Schweinswal-Warngerät zu erproben.

Ein Schweinswal schwimmt an einer Boje vorbei, die ähnlich aussieht wie das neue, zu testende PAL-Warngerät.
(Foto: Prof. Boris Culik, Heikendorf)

Nach wie vor verfangen sich Schweinswale in Stellnetzen. Das Problem ist, dass ihr Schallortungssystem die Fanggeräte nicht als Gefahr übermittelt. Die Tiere ersticken jämmerlich in den Netzen, da sie nicht mehr zum Luftholen an die Wasseroberfläche gelangen können.

Bis jetzt haben einige Fischereien auf den Einsatz von sogenannten Pingern gesetzt. Diese Geräte erzeugen Laute, die die Schweinswale auf Distanz halten sollen. Doch man hat inzwischen herausgefunden, dass die Tiere durch die Vergrämer großräumig aus ihren Nahrungsgründen vertrieben werden.

Der Wunsch von Tierschützern, die Stellnetzfischerei in manchen Gebieten ganz zu verbieten, wird wohl nicht erfüllt werden können, da diese Maßnahme die Existenz der Betreiber von 1.240 Fahrzeugen in der Ost- und Nordsee aufs Spiel setzen würde.

Schweinswal-Rufe warnen Schweinswale

Ein neu entwickeltes Gerät, das sogenannte PAL (Porpoise = Schweinswal Alarm) erzeugt Kommunikationslaute, welche auch von den Schweinswalen eingesetzt werden, um sich gegenseitig zu warnen. Auf diese Weise sollen die Meeressäuger auf die Stellnetze aufmerksam gemacht werden, ohne sie weiträumig aus dem Gebiet zu vertreiben.

Schweinswale kommunizieren mit Klicks und bestimmten Klick-Abfolgen, sogenannten Klicktrains. Dänische Forscher beobachteten im Fjord&Beltcenter (ein Freiluft-Delfinarium, in dem Schweinswale gehalten werden) in Kerteminde, Dänemark, dass ein bestimmter Klicktraintyp (upsweep chirp) von den Tieren als gegenseitige Warnung eingesetzt und verstanden wird. Das innovative PAL-Warngerät baut darauf auf und erzeugt diese warnenden Kommunikationslaute. Dadurch soll PAL die Schweinswale auf die für sie gefährlichen, weil unsichtbaren Stellnetze aufmerksam machen, ohne sie gleichzeitig großräumig aus ihren Nahrungsgründen oder den Schutzgebieten zu vertreiben. PAL-Warngeräte können so helfen, sowohl die Belange des Naturschutzes als auch die Interessen der Fischerei zu erfüllen.

Bald Erprobung in der Praxis

Entwickelt wurde der programmierbare synthetische Klicktraingenerator PAL von Prof. Boris Culik von der Heikendorfer Firma „F³: Forschung . Fakten. Fantasie“, gemeinsam mit der Kieler L-3 ELAC Nautik, dem Dipl.-Ing. M. Conrad, Schwedeneck, und Dennis Hagedorn, FH-Kiel. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet. Gemeinsam mit Dr. Christian von Dorrien, Thünen-Institut für Ostseefischerei, Rostock, wird das Gerät nun mithilfe des bundeseigenen Fischereiforschungsschiffes „Clupea“ in Gewässern hoher Schweinswaldichte getestet, bevor es im nächsten Jahr in einem großangelegten Versuch gemeinsam mit der Berufsfischerei in der Praxis erprobt werden soll.

Freilandversuche

Im Rahmen der nun beginnenden Freilandversuche kommen neben den Kommunikationslaut-Erzeugern PAL auch akustische Aufzeichnungsgeräte zum Einsatz, welche die Intensität und Häufigkeit der Echoortungslaute von Schweinswalen aufzeichnen. Mithilfe zweier neu entwickelter Funkbojen werden die Ortungslaute der Tiere drahtlos zu den Beobachtern auf dem Forschungsschiff und an Land übertragen. Die genaue Position der Schweinswale wird dabei von Land aus mit einem Gerät aufgezeichnet, das eigentlich in der Vermessungstechnik zu Hause ist: einem Theodolit.

Das ursprünglich von den Freunden der Bonner Konvention zum Schutze Wandernder Tierarten e.V. angeschobene Projekt wird seit Juli 2012 aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) mit rund 350.000 Euro gefördert und hat eine Laufzeit von 18 Monaten. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung.

An dem Projekt sind Studierende aus Dänemark, Österreich und Deutschland beteiligt. Eine erste Auswertung der umfangreichen Daten ist bis Jahresende geplant.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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