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Räuber und Beute sind gefährdet


89 Individuen zählt die bedrohte Orca-Population im Puget Sound (im Nordwesten des US-amerikanischen Bundesstaats Washington). Forscher wollen dahinter kommen, warum sich die Population nur äußerst langsam vergrößert.

Eine Gruppe Orcas (Foto: Frank Blache)

Eine Gruppe Orcas (Foto: Frank Blache)

Orcas sind wählerisch

Ein Grund könnte sein, dass es nicht genug Beutetiere gibt. Die Orcas der sogenannten Südgruppe (es gibt auch noch eine wissenschaftlich erfasste Nordgruppe in Vancouver Island/Kanada) sind wählerisch. Als Beutetier bevorzugen sie den sehr fetthaltigen Königslachs (Chinook) und fangen weniger die anderen Lachsarten, die es in den Gewässern von Puget Sound auch noch gibt (Pink und Sockeye). Das hat man anhand von eingesammelten Orca-Kotresten herausgefunden. Doch vom Chinook gibt es zu wenig, um die Orca-Population anwachsen zu lassen.

Der Wissenschaftler Brad Hanson ist Meeresbiologe des „NOAA’s Northwest Fisheries Science Center“. Seine Untersuchungen haben ergeben, dass diese spezielle Lachsart im Sommer 80 Prozent der Beutetiere der Orcas ausmacht. Von den erbeuteten Königslachsen stammen – laut einer DNA-Analyse – 90 Prozent aus dem Fraser River. Leider wird der Bestand der Fraser-Lachse immer kleiner. Mittlerweile sind die Lachse genauso gefährdet wie ihr Feind – der Orca (auch Schwertwal oder Killerwal genannt).

Der Bedarf an Lachsen ist immens hoch

1/8 bis 1/4 des Königslachs-Bestandes wird von den Schwertwalen in den Sommermonaten konsumiert. Das ist eine ziemlich hohe Rate. Und wenn sich die Schwertwal-Population vergrößern soll, brauchen die schwarz-weißen Giganten noch mehr Lachse.

Dawn Noren arbeitet ebenfalls für das „NOAA’s Northwest Fisheries Science Center“. Sie hat den oben genannten Fisch-Bedarf der im Puget Sound lebenden Orcas anhand von Stoffwechsel-Modellen errechnet. Die Forscherin maß für ihre Berechnung u.a. die Geschwindigkeit der Orcas und beobachtete ihre Aktivitäten. Auch nahm sie Informationen über die Nahrungsaufnahme von in Gefangenschaft lebenden Orcas zu Hilfe.

Orca in Vancouver Island (Foto: S. Gugeler)

Orca in Vancouver Island (Foto: S. Gugeler)

Hilft ein Angelverbot den Walen?

Eine Lösung wäre, das Fischen von Königslachs zu reglementieren, damit den Meeressäugern im Sommer genügend Futter bleibt. Ein Fischverbot des Lachses hätte allerdings zur Folge, dass sich neben dem Orca auch andere Meeressäuger (Robben) gut vermehren und in Konkurrenz zu den Orcas treten würden.

Vielversprechender wäre, das Ökosystem im Puget Sound zu „reparieren“. Unter anderem muss es wieder mehr Süßwasser-Rückzugsgebiete für den Lachs geben, sodass sich dieser ungehindert vermehren kann. Davon würden auch die Schwertwale profitieren und in diesem Gebiet nicht mehr in den Verruf eines Killerwals kommen.

Winter-Geheimnis

Alle Beobachtungen und Aufzeichnungen der im Puget Sound lebenden Orcas stammen übrigens aus den Sommermonaten, da die Tiere im Winter hinaus aufs Meer ziehen. Doch wie ernähren sich die Orcas im Winter?

Auch wenn es Aufzeichnungen über das Geburtsjahr, das Todesjahr und die mütterliche Abstammungslinie der seit den 1970er-Jahren beobachteten Schwertwale gibt, weiß man nicht, was die Tiere in den Wintermonaten tun.

Einige Wale werden mit Satellitensendern versehen, um ihre Route im Winter zu verfolgen. Doch das Bestücken mit Sendern ist ein invasiver Eingriff, von dem nicht eindeutig bekannt ist, ob er die Tiere schädigt. Er wird daher nur äußerst selten eingesetzt und ist demzufolge nicht ausreichend aussagekräftig.
(Quelle: One Endangered Species Eats Another: Killer Whales and Salmon)

Lesetipps

Mehr über Orcas erfährst du auf der Website Welt der Orcas.
Was ich mit Orcas auf meiner Kanada-Reise erlebt habe, erfährst du unter Wale – so weit das Auge reicht.

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