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Nur noch halb so viele Delfine


Bei den Delfinen in Südamerika gibt es einen dramatischen Rückgang zu beobachten.

Amazonas-Delfin
(Foto: Rüdiger Hengl)

Einer Studie im Fachblatt PLOS ONE kann man entnehmen, dass sich die Populationen des Amazonas-Delfins (Inia geoffrensis) und des Amazonas-Sotalias (Sotalia fluviatilis) in den vergangenen beiden Jahrzehnten jeweils um die Hälfte halbierten.

Gründe für den Rückgang

Als Gründe für den Rückgang dieser Tiere werden genannt: die Ausbreitung der Menschen am Amazonas und damit Eingriffe in den Lebensraum der Delfine, Nahrungskonkurrenz zwischen Mensch und Tier und das Ersticken in Netzen.

Beide Delfinarten waren ursprünglich weit verbreitet und ihr Bestand wurde als relativ gesichert angesehen. Da sie auf der Roten Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources; deutsch „Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen“) aufgrund von begrenzten Informationen über Bedrohungen, Ökologie, Bevölkerungszahlen und Trends als „Data Deficient (DD)“ (= mangelhafte Daten) geführt werden, wurde ihr Zustand lange Zeit nicht als alarmierend angesehen.

Delfinfleisch als Fischköder

Erst als zu Beginn dieses Jahrtausends Delfine gejagt wurden, um deren Fleisch als Fischköder einzusetzen, wurde wahrgenommen, dass ihr Bestand immer mehr abnimmt.

Folglich wurde die Notwendigkeit, Daten über die Delfine zu erheben, endlich erkannt.

Sotalia
(Foto: Verena Pecsy)

Die o.g. Studie bezieht sich auf 22 Jahre Forschung im Mamirauá-Reservat im Bundesstaat Amazonas in Brasilien. Die Analyse dieser Daten zeigt, dass beide Arten stark rückläufig sind, wobei sich ihre Populationen alle zehn Jahre (Amazonas-Delfin) und neun Jahre (Sotalia) bei den aktuellen Raten halbieren.

Besonders um das Jahr 2000 wurde ein deutlicher Einbruch bei den Amazonas-Delfinen registriert.

Rückgang sogar im geschützten Gebiet

Mamirauá ist ein geschütztes Gebiet und unterliegt weniger Umweltbelastung als anderswo im Amazonas. Es besteht also kein Grund zu der Annahme, dass der Rückgang der Delfine innerhalb des Reservats ausgeprägter ist als außerhalb.

Wenn die Delfine Südamerikas ihren asiatischen Pendants auf dem Weg zu einem gefährlichen Erhaltungszustand nicht folgen sollen, sind sofort wirksame Erhaltungsmaßnahmen erforderlich. Die Durchsetzung der bestehenden Fischereigesetze würde erheblich dazu beitragen, dies zu erreichen.
(Quelle: PLOS ONE)

Dr. Fernando Trujillo
(Foto: Rüdiger Hengl)

Hilfe vor Ort und in den Zoos

Es ist äußerst schwierig, die im schlammigen Wasser lebenden Amazonas-Delfine zu zählen. Aus diesem Grund gibt es sowohl Freiland- als auch Zoo-Projekte, die dieser bedrohten Tierart helfen sollen. Siehe hierzu die MEERESAKROBATEN-Beiträge Fernando und die Flussdelfine sowie Wichtige Erkenntnisse aus dem Zoo.

Projekt Amazonas-Delfin

Dr. Fernando Trujillo, Meeresbiologe und Leiter des Projekts Amazonas-Delfin, habe ich 2014 auf der alle zwei Jahre im Nürnberger Tiergarten stattfindenden Artenschutztagung ISFAS (Internationales Symposium Forschung & Artenschutz in Südamerika) persönlich kennengelernt.

Damals erklärte er den Studenten und anderen Interessierten in seinem Vortrag „Conservation of river dolphins in South America: linking scientific research and economic alternatives“, wie Frauen in Kolumbien den Delfinen helfen, indem sie Fischburger verkaufen. Mehr dazu unter Aktuelles über Delfinschutz und Delfinhaltung.

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