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Leidet Delfin unter Hautkrankheit?


Der Gemeine Delfin (Delphinus delphis), der Anfang April erstmals in der Kieler Förde beobachtet wurde, ist immer noch da.

Manche nennen ihn inzwischen „Schwenteeny“ (weil sein Hauptaufenthaltsort im Sporthafen Dietrichsdorf in der Schwentinemündung liegt).

Hat der Delfin Juckreiz?

Doch so unbeschwert wie anfangs sehen die Schaulustigen das Tier nicht mehr.

Auf seinem Körper wurden nämlich große runde Hautveränderungen festgestellt.

Außerdem fällt auf, dass der Meeressäuger ständig aus dem Wasser springt und immer zwischen zwei Holzpfählen hin und her schwimmt. Dass er dort versucht, seine Haut zu schubbern, ist allerdings nicht bewiesen.

Experten schalten sich ein

Inzwischen haben sich auch mehrere Experten eingeklinkt und ihre Vermutungen zum Zustand des Delfins geäußert.

So geht der Meeresbiologe Sven Koschinski davon aus, dass Schwenteeny an einer weit fortgeschrittenen Hautkrankheit leidet. Ein Foto dazu könnt ihr auf kn-online.de anschauen.

Sind niedriger Salzgehalt oder ungeklärte Straßenabwässer die Ursache?

Im Gesicht und an der Finne (Rückenflosse) des Tieres hat Koschinski Ekzeme erkannt. Nun wird spekuliert, ob diese vom niedrigen Salzgehalt der Ostsee herrühren oder etwas mit dem Einspülen ungeklärter Straßenabwässer mit all ihren Keimen und Tierkot nach den letzten Regenfällen zu tun haben (so die Einschätzung des Kieler Wal-Experten Boris Culik).

Koschinski beobachtete den Delfin dabei, wie er 100 Mal hintereinander aus dem Wasser sprang. Freudensprünge werden dies wohl nicht sein. Es ist eher ein Zeichen dafür, dass das Tier lästige Parasiten loswerden möchte.

Hautveränderungen sind nichts Ungewöhnliches

Professorin Ursula Siebert von Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Büsum gibt allerdings leichte Entwarnung. Sie weiß, dass Hautveränderungen bei Meeressäugern öfter vorkommen und auch wieder abheilen können.

Diese Infektionen seien oft eine Kombination aus viralen, bakteriellen und fungalen Prozessen, so die Fachtierärztin für Wildtiere.

Warum ist Schwenteeny alleine unterwegs?

Doch noch eine weitere Frage tut sich auf. Warum ist Schwenteeny eigentlich alleine unterwegs?

Gemeine Delfine sind bekannt dafür, dass sie in großen Schulen schwimmen. Die Gruppen können schon mal aus über 1.000 Tieren bestehen.

Evtl. wurde der „Kieler Delfin“ von seinen Artgenossen zurückgelassen, weil er nicht ganz gesund ist oder weil er das Tempo der anderen nicht mehr einhalten konnte. Aus irgendeinem Grund – vielleicht weil er einem Fischschwarm hinterherschwamm – ist er dann in die Ostsee geraten.

Soll der Delfin zurück in die Nordsee?

Boris Culik findet es an an der Zeit, sich zu überlegen, wie der Delfin weiter nach Norden gelockt werden könnte. Dann wäre es ihm vielleicht möglich, den Rückweg in die salzhaltigere und damit für seine Haut verträglichere Nordsee zu finden.

Wo ist die Heimat von Schwenteeny?

Auch das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung vom Geomar hat sich offenbar eingeschaltet. Dort will man die Herkunft von Schwenteeny herausfinden. Wasserproben sollen Aufschluss über die DNA des Meeressäugers geben.
(Quelle: „Schwenteeny“ leidet an Hautkrankheit)

85 Prozent der Delfine haben Hautveränderungen

Eine interessante Studie aus den 1980- und 1990-Jahren an ortstreuen Großen Tümmlern in Portugal kam zu dem Ergebnis, dass 85 Prozent der beobachteten Meeressäuger Hautveränderungen aufwiesen. Bei manchen Tieren wurden diese sogar über einen Zeitraum von sechs Jahren festgestellt.

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