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Flussdelfin nicht mehr geschützt?


Der Journalist Glenn Scherer befürchtet, dass die Tage des Amazonas-Delfins gezählt sein könnten.

Amazonas-Flussdelfin aus dem Duisburger Zoo
(Foto: Rüdiger Hengl)

Der auch als Boto bekannte Flussdelfin ist der größte Süßwasserdelfin der Welt. Er lebt im Amazonas- und Orinoco-Flusssystem.

Bestand halbiert sich alle zehn Jahre

Es gibt immer weniger dieser Tiere. Offenbar halbiert sich ihr Bestand jedes Jahrzehnt. Ein Grund: Wilderer jagen die Delfine und verwenden deren Speck als Köder für den Wels-Fang. 2.500 Flussdelfine pro Jahr werden illegal getötet.

Moratorium ist abgelaufen

2015 erließ die Regierung der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff ein fünfjähriges Moratorium für den Fang von Piracatinga (das ist die Wels-Art, auf die es die Fischer abgesehen haben).

Jetzt, da das Moratorium abgelaufen ist, drängen Wissenschaftler auf eine rasche Erneuerung, um das Aussterben des Amazonas-Delfins zu verhindern. Bisher hat die brasilianische Regierung unter Jair Bolsonaro jedoch keine Schritte unternommen, um das Piracatinga-Fangverbot zu erneuern.

Anpassungsfähige Delfine

Flussdelfine sind erfahrene Jäger mit scharfen Zähnen, die oft eine Länge von mehr als zwei Metern erreichen. Wie andere Flussdelfine kommunizieren Botos mit unterschiedlichen Pfeiftönen.

Sie sind gut an wechselnde Flussniveaus angepasst. Während der Hochwasserperioden dringen sie mithilfe der Echolokalisierung tief in den Regenwald ein, um trübe Gewässer inmitten untergetauchter Baumwurzeln nach Beute zu durchsuchen, darunter Dutzende von Fischarten, Schildkröten und Süßwasserkrabben.

Amazonas-Delfin wurde als gefährdet eingestuft

Der Amazonas-Delfin (Inia geoffrensis) wurde 2018 von der IUCN, der Internationalen Union für Naturschutz, als „gefährdet“ eingestuft. Es wird angenommen, dass nur noch wenige Zehntausend in freier Wildbahn existieren, obwohl es schwierig ist, die Tiere in den trüben Strömen des Amazonas genau zu zählen.

Dr. Vera da Silva, eine Forscherin des Amazonas-Forschungsinstituts INPA, warnt davor, dass der Flussdelfin ohne Erneuerung des Moratoriums bald ausgestorben sein könnte. „Nicht alle Ziele des Moratoriums wurden erreicht, daher muss das Moratorium verlängert werden“, erklärt sie.

Aufgrund der langen Trag- (13 Monate) und Stillzeit (zwei Jahre) vermehren sich die Weibchen nur alle drei bis fünf Jahre.

Die Hauptfischersaison soll im Juli beginnen …

Weitere Gefahren für Flussdelfine

Die Amazonas-Delfine werden aber noch durch andere menschengemachte Einflüsse bedroht: Beim Beifang werden viele Delfine in Fischernetzen gefangen, der Goldabbau in der Region hat zu einer Quecksilbervergiftung im Wasser geführt, und der Bau von Staudämmen hat ihren Lebensraum und ihren genetischen Pool verringert.
(Quelle und weitere Informationen unter Amazon river dolphin risks extinction if Brazil moratorium not renewed)

Flussdelfin im Duisburger Zoo

Im Duisburger Zoo lebt seit vielen Jahrzehnten ein Amazonas-Delfin. Vor etlichen Jahren ist sein Gefährte in hohem Alter gestorben. Da Flussdelfine Einzelgänger sind oder nur in kleinen Gruppen leben, ist die Haltung eines Tieres unproblematisch. Das zeigen auch die positiven Erfahrungen, die der Zoo mit diesem Tier gemacht hat.

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