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Aktivisten während Treibjagd festgenommen


Was hier im Youtube-Film gezeigt wird, ist für Wal- und Delfin-Freunde unverständlich und schockierend.

Am 23. Juli 2015 wurden 142 Grindwale in einer Bucht von Tórshavn (Hauptstadt der Färöer Inseln) sowie 111 Tiere in Bour getötet. Seit 6. Juni 2015 fielen damit 429 Tiere den Färingern zum Opfer.

Aktivisten wurden verhaftet

Aktivisten der Tierschutzorganisation Sea Shepherd, die versuchten, den Grindadrap (wie die Treibjagd auf die zu den Delfinen zählenden Grindwale genannt wird) zu stören, wurden verhaftet.

Treibjagd ist legal

Die Treibjagd ist von der Regierung erlaubt und von den Inselbewohnern eine seit Jahrhunderten durchgeführte Methode, um kostenlos an Frischfleisch zu gelangen.

Färöer lassen sich nicht von ausländischen Aktivisten zwingen

Die Färöer betonen immer wieder, dass sie sich von ausländischen Aktivisten nicht das Handwerk legen lassen.

Inzwischen gibt es zwar schon etliche Stimmen im eigenen Land, die sich gegen die Treibjagd erheben, doch Aktionen wie diese von Sea Shepherd schmieden die Insulaner nur noch fester zusammen und lassen die Jagd hochleben (wie man im Film leider deutlich erkennen kann).

Vor allem Teenager, die sich noch in der Selbstfindungs- und Auflehnungsphase befinden, reagieren auf Hasstiraden aus dem Ausland aggressiv. So berichtet ein Färöer, wie er als Teenager zum Walfang kam: „Ich stamme eigentlich aus einer Familie, die keinen Walfang betrieben hat. Aber die Aktivisten aus dem Ausland machten mich zum Walfänger. Als ich das erste Mal dabei war, merkte ich, wie aufregend die Jagd war. Ich konnte meine ganze Wut gegen die Hasstiraden aus dem Ausland beim Walfang abreagieren.“

Besser Kommunikation als Konfrontation

Wie soll man also seinem Protest gegen die grausame Abschlachtung von Hunderten von Grindwalen Ausdruck geben?

Der Delfinschützer Hans Peter Roth verweist darauf, dass die Färinger an sich ein äußerst gastfreundliches Volk sind, das auch gerne zu Diskussionen über den Grindwalfang bereit ist. (Erst vor kurzem war Hans Peter wieder auf den Färöer Inseln.)

Diese Chance sollte meiner Meinung nach ergriffen werden, um die Färöer davon abzubringen, weiter an ihrer blutigen Tradition festzuhalten.

Ich empfehle außerdem, die Möglichkeit zu nutzen, an die Färöer Regierung und/oder das Konsulat zu schreiben und dort seinen Protest kundzutun. Aber bitte nicht als Shitstorm, sondern höflich und vor allem sachlich (Argumentationshilfen gibt es u.a. hier) formuliert …

Adressen und weitere Infos zum Thema Grindwalfang findest du unter SOS – Färöer Inseln.

Lesetipps zum Thema

* Blutiges Walmassaker
* Linus Reichlin begegnet dem Grindwal
* Färöer-Inseln – Traditionelle Grindwal-Jagd oder grausames Massaker?
* Grindwalfang auf den Färöer Inseln bald nur noch in Geschichtsbüchern
* „Nichts schweißt mehr zusammen als ein gemeinsamer Feind“
* Walfang und Walbeobachtung auf den Färöer Inseln
* Grindwal-Fang auf den Färöern soll besser kontrolliert werden
* Junge Frauen essen fast kein Grindwalfleisch mehr
* Horror und Hoffnung – die Färöer Inseln
* 236 Grindwale auf den Färöern getötet

6 Kommentare

  1. Junge Färöer interessieren sich wieder mehr für die Grindwaljagd
    Die Färöerin Erla Brekkustova hat auf ihrem Blog veröffentlicht (Übersetzung von Hans Peter Roth), dass sie als Kind in den 1960er-Jahren gelegentlich Grindwalfleisch und -speck gegessen habe.
    Mit der Zeit wurde der Verzehr von Grindwalprodukten jedoch immer kritischer gesehen. Es wurde bekannt, dass die Meeressäuger sehr stark mit Umweltgiften belastet sind, welche die Gesundheit der Menschen gefährden können.

    Erla war überzeugt, dass es nur noch eine Frage der Zeit wäre, bis die Grindwaljagd beendet würde. Denn die junge Generation interessierte sich nicht für diese Nahrungsquelle und auch nicht für die Jagd.

    Doch nun hätte eine aggressive Umweltorganisation sich zum Ziel gesetzt, die Färöer zur Beendigung der Jagd auf Grindwale zu zwingen. Dieser Druck erzeuge nun Gegendruck – vor allem bei den jungen Leuten. Sie werden zu begeisterten Walfängern und selbst schwangere Frauen würden nun das Grindwalfleisch als grandiose Fleischquelle rühmen.

    Nach Erlas Prognose würde – wegen dieser Umweltorganisation – der Walfang für weitere zwei Generationen fortgesetzt werden und die Bevölkerung würde weiter belastetes Fleisch essen. Erla meint, dass die Ressourcen wohl besser in den Kampf gegen die Meeresverschmutzung geflossen wären – zum Schutz der Wale und der Weltbevölkerung.
    Quelle: http://www.ceta-journal.net/von-der-gleichgultigkeit-zum-aktiven-befurworten-der-grindwaljagd/

    geschrieben von Susanne
    1. Das deckt sich genau mit dem, was ich schon immer vermutete. Die ganzen Aktionen der resteuropäischen Gutmensch-Aktivisten bewirken genau das Gegenteil desse, was sie eigentlich vorhaben.

      geschrieben von Rüdiger
  2. Ich befürchte, dass die sinkenden Fangzahlen eher mit einer Dezimierung der Pilotwalbestände einher geht. Zum Einen, weil die Fähringer immer bessere Methoden zum Aufspüren und Zusammentreiben haben und dadurch immer weniger Pilotwale den Inseln entkommen. Zum Anderen, weil die Pilotwalbestände durch Überfischung und andere Faktoren ohnehin zurück gehen.

    Vor 30 Jahren konnten mit immer moderneren Methoden die größte Zahl an Walen abgeschlachtet werden – und schließlich weit mehr als durch Geburten ausgeglichen werden können – und seitdem nehmen die Fangzahlen immer weiter ab – genau wie das bei kollabierenden Beständen zu erwarten ist.

    Eine Abschätzung, ob die Fangzahlen von den (noch) lebenden Tieren ausgeglichen werden können, hatte ich schon einmal vorgerechnet – mit dem eindeutigen Ergebnis, dass allein die Fähringer so viele Pilotwale töten, dass eine Fortführung der Jagd mit den bisherigen Methoden und im jetzuigen Umfang zumindest die regionalen Bestände recht bald ausrotten wird. – Zumal es überhaupt keine gesicherten Zahlen über die noch wild lebenden Pilotwale gibt. Ich hatte in meiner Rechnung die größten angenommenen Bestandszahlen eingesetzt.

    Mir ist übel …

    geschrieben von Norbert
  3. Auch wenn ich mit vielen der wohltuend pragmatischen und sachkundigen Kommentare von Rüdiger und anderen hier auf der sehr informativen Meeresakrobaten-Seite sehr einverstanden bin, so muss ich in diesem Fall deutlich widersprechen.

    Barbareien gegen Mensch und Tier sind durch nichts, schon gar nicht durch Nationalstolz (!!!) zu rechtfertigen, und gehören international geächtet und letztlich auch konsequent verfolgt!

    Und da gibt es für mich zwischen IS-Terroristen, Elfenbein- und Rhinohorn-Wilderern und den Barbaren der Färöer Inseln des hier gezeigten Videos nur graduelle Unterschiede.

    Leider hat sich der Mensch allem technischen Fortschritt zum Trotz aus dem Stadium des Neandertalers nicht wesentlich weiterentwickelt, wie schon Konrad Lorenz festgestellt hat!
    Das barbarische Grindwal-Abschlachten ist einfach nur widerwärtig! In solchen Fällen stehen mir die Aktivisten von Sea Shepherd & Co ausnahmsweise einmal deutlich näher!!!

    geschrieben von Wolfgang Rades
    1. Hallo Herr Rades,

      nicht, dass Sie mich falsch verstehen! Mit Ihrer Aussage „Barbareien gegen Mensch und Tier sind durch nichts, schon gar nicht durch Nationalstolz (!!!) zu rechtfertigen, und gehören international geächtet und letztlich auch konsequent verfolgt!“ gehe ich absolut konform.

      Diese internationale Ächtung sollte aber von Fachleuten ausgehen, bei Gesprächen auf Augenhöhe, und nicht von irgendwelchen Selbstdarstellern, Facebook-Shitstormern oder Aktivisten, die von vornherein auf Krawall aus sind.

      Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass eben diese Selbstdarsteller, Shitstormer und Whale-Wars-Krieger genau das Gegenteil dessen bewirken, was wir alle wollen, nämlich dass die barbarische Tötung und letztendlich die Ausrottung der Grindwal-Population um die Färöer verhindert wird.

      geschrieben von Rüdiger
  4. Die Fangzahlen auf den Färöern sinken von Jahr zu Jahr, besonders intensiv seit den letzten 30 Jahren. (Die meeresakrobaten berichteten darüber http://www.meeresakrobaten.de/2014/08/grindwale-die-fangrate-sinkt-von-jahr-zu-jahr/) Ich habe den Eindruck, dass diese positive Tendenz durch Wichtigtuer aus dem Bereich der „Gutmenschen“ zunichte gemacht wird. Ich habe den Eindruck, je mehr sich diese „Besserwisser“ in die Belange der Färöer einmischen, um so mehr Grindwale werden geschlachtet. Wie zum Trotz! Würden Seashepherd, WDSF, ProWal und all die anderen, denen es meiner Ansicht nach viel mehr um Spendengelder als um Wale geht, zuhause bleiben, dann wären die Fangzahlen in 5 bis 10 Jahren deutlich unter 100 Individuen pro Jahr. (vergl. Grafik 2 in http://www.meeresakrobaten.de/2014/08/grindwale-die-fangrate-sinkt-von-jahr-zu-jahr/)

    Durch die Aktivitäten der Aktivisten wird der Grindwalfang auf den Färöern aber erst richtig aktiviert.

    geschrieben von Rüdiger

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